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  • Editorial

Vom Stall in die Weltpolitik

17.07.2026 – Walter Schmid

Es gibt Dinge, die machen die Schweiz unverwechselbar: die Alpen, die direkte Demokratie und natürlich der Käse. Wer im Ausland lebt, kennt den Moment sehr gut: Plötzlich liegt ein Gruyère, ein Emmentaler oder eine Tafel Schweizer Schokolade im Supermarktregal – und für einen Augenblick rückt die Heimat ganz nah.

Doch wie schweizerisch ist unser Essen eigentlich noch? Die Antwort überrascht. Die Schweiz produziert weniger als die Hälfte der Nahrungsmittel, die sie konsumiert. Mehr als jede zweite Kalorie stammt direkt oder indirekt aus dem Ausland. Das erstaunt umso mehr, als die Landwirtschaft zu den prägendsten Bildern unseres Landes gehört: saftige Wiesen, grasende Kühe, kleine Familienbetriebe vor Alpenkulisse.

Dieses Bild erzählt aber nur einen Teil der Wirklichkeit. Die Schweizer Landwirtschaft bewegt sich im Spannungsfeld von Versorgungssicherheit, Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlichen Erwartungen. Was auf den Teller kommt, ist längst nicht mehr nur eine Geschmacksfrage. Für die einen ist Fleischkonsum Teil der Tradition, für die anderen sind tierische Produkte ein Auslaufmodell. Und doch: Während die Schweiz viele Lebensmittel importiert, exportiert sie ihren Käse in die ganze Welt. Typisch für unser Land. Nach innen ist die Schweiz gern eigenständig, nach aussen eng verflochten mit den Weltmärkten, allen voran mit Europa.

Genau darum geht es in den Bilateralen III, dem Vertragspaket mit der EU. Verhandelt wird nicht weniger als die altbekannte Frage: Wie viel Nähe braucht die Schweiz zur EU, um wirtschaftlich stark zu bleiben, und wie viel Distanz, um sich politisch unabhängig zu fühlen? Auch die Neutralitätsdebatte kreist um die Eigenständigkeit in einer vernetzten und brüchigen Welt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass all diese Fragen in der Landwirtschaft greifbar werden. Was auf dem Teller landet, hängt nicht nur vom Wetter, den Böden oder den Höfen im Schweizer Mittelland ab, sondern von Märkten, Verträgen und unseren Beziehungen zur Welt. Die Frage nach dem Essen ist immer auch eine Frage nach der politischen Ausrichtung der Schweiz.


WALTER SCHMID, CHEFREDAKTOR

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