
Zwischen Erfolg und Enge

Funken und Pixel

Kleingeld

Erschütterungen

Der Maler ist parat, aber sein Sujet nicht

Die hohen Klippen

Schnee von heute



Die Schweiz wächst – und zwar schneller, als vielen lieb ist. Alle sechs Minuten und vierundfünfzig Sekunden kommt ein weiterer Mensch dazu. Das klingt nach einer Randnotiz aus dem Bundesamt für Statistik, deutet aber auf eine der grossen Debatten unserer Zeit.
Über neun Millionen Menschen leben heute in der Schweiz. In einigen Jahrzehnten könnten es über zehn sein. Für viele ein Zeichen des wirtschaftlichen Erfolgs. Für andere ein Grund zur Sorge. Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», über die am 14. Juni 2026 abgestimmt wird, will eine Obergrenze der Bevölkerung setzen und die Zuwanderung rigoros eindämmen.
Ohne Zuwanderung würde vieles im Alltag nicht funktionieren. In Spitälern, auf Baustellen, in Restaurants oder Forschungszentren arbeiten Menschen aus der ganzen Welt. Sie tragen zum wirtschaftlichen Erfolg bei und helfen, die Folgen der alternden Gesellschaft abzufedern. Gleichzeitig zeigt sich in den Städten und Agglomerationen, dass Wachstum seinen Preis hat: Wohnungen werden knapp, Pendlerzüge voller, der Druck auf die Landschaft und Infrastruktur steigt.
Wer will, findet Dichte an den ungewöhnlichsten Orten. In der Schweiz sind fast 100 000 Privatboote registriert. Einen Liegeplatz in Genf zu finden, ist genauso schwierig wie eine Wohnung in Zürich. Die Wartelisten sind lang, die Plätze knapp. Man könnte zugespitzt fragen: Wenn eine Obergrenze für Menschen diskutiert wird, bräuchte es auch eine für Boote?
Weniger zum Scherzen ist die Initiative für über 530 000 Schweizer:innen im europäischen Ausland. Die heute geltende Personenfreizügigkeit macht es leicht, in einem EU-Staat zu wohnen, zu arbeiten oder ein Unternehmen zu gründen. Würde sie wegfallen, könnte sich der Alltag und Aufenthaltsstatus vieler Auslandschweizer:innen ändern. Eine fixierte Obergrenze hätte in letzter Konsequenz das Ende der Personenfreizügigkeit zur Folge. Deshalb ist der 14. Juni 2026 auch ein Stimmungstest für das Verhältnis der Schweiz zu Europa.
Die Debatte zeugt von einem Land, dessen Erfolgsmodell auf dem Prüfstand steht. Die Schweiz erzählt aber noch andere Geschichten. Zum Beispiel von einer Trachtenschneiderin, die ein Stück Heimat auf die Haut zaubert, und von Kuriositäten wie der Tatsache, dass Metal-Fans als offizielle Kirchgemeinde anerkannt sind. Vielleicht ist die Mischung aus Tradition und Veränderung das Erfolgsrezept der Schweiz. Und vielleicht lohnt es sich, in Zeiten grosser Zahlen genau hinzuschauen – auf die Geschichten, die sich dahinter verbergen.

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