Nora Markwalder, Strafrechtsprofessorin an der Universität St. Gallen, sieht bislang keinen anhaltenden Anstieg bei den Tötungen von Frauen. Doch auch die «stabile Tendenz» sei besorgniserregend. Während Tötungsdelikte unter Männern – etwa im Ausgang, im Milieu oder bei Streitigkeiten – in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz stark zurückgingen, blieben die Partnerschaftstötungen von Frauen durch Männer konstant. «Das wirft Fragen auf», sagt die Kriminologin.
Kein «Familiendrama»
Eine mögliche Antwort liefert der Begriff Femizid. Geprägt in den 1970er-Jahren von der US-Soziologin Diana Russell, verweist er auf die gesellschaftliche Dimension solcher Taten. Nach einer UNO-Definition von 2012 gelten Tötungen an Frauen im häuslichen Bereich als Femizide. Analysen zeigen, dass sie oft mit Dominanzstreben, Besitzdenken und geschlechtsbezogenen Rollenerwartungen des Täters zusammenhängen. Trennungen werden dabei zu Hochrisikophasen. «Rund die Hälfte der Tötungen geschieht während oder nach der Trennung», erklärt Markwalder.
In der Schweiz ist Femizid kein juristischer Begriff. Frauenrechtsgruppen, Politik und das Rechercheprojekt stopfemizid.ch nutzen ihn seit einiger Zeit, um Fälle sichtbar zu machen. Doch auch Medien und Behörden greifen ihn zunehmend auf. Für Markwalder benennt er die Realität: «Es ist eine Tötung – kein Familiendrama, kein Unglück, keine Tat aus übermässiger Liebe, wie es früher oft beschönigend umschrieben wurde.»
Gewalt durch Partner und Ex-Partner rückt ins Bewusstsein von Gesellschaft und Politik – doch solche Taten sind seit Langem mehr als Einzelfälle.
Neue Opferhilfenummer
Lange galt in der Schweiz: Was zuhause geschieht, geht den Staat nichts an. Erst seit 2004 ist häusliche Gewalt – Vergewaltigungen, Tätlichkeiten, Drohungen – ein Offizialdelikt. Politikerinnen setzten sich über Parteigrenzen hinweg immer wieder für Massnahmen gegen Gewalt an Frauen ein. Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention des Europarats 2018 verpflichtete sich die Schweiz zum Handeln. Eine «Roadmap» von Bund und Kantonen brachte erste Ergebnisse: Seit Frühjahr 2026 ist die landesweite Opferhilfe-Telefonnummer 142 in Betrieb. Die Kantone verstärken ihr Bedrohungsmanagement, um Gewalt frühzeitig zu erkennen. Denn oft steht ein Femizid am Ende einer Gewaltspirale, wie eine Analyse des Bundes ergab.
Die Polizei spricht Gefährder inzwischen gezielt an. In einigen Kantonen laufen Pilotprojekte mit elektronischen Fussfesseln, um Kontaktverbote durchzusetzen. Der Bund startete eine Präventionskampagne, um die Bevölkerung für häusliche Gewalt zu sensibilisieren. Auch Gesetzesänderungen stehen zur Debatte, etwa im Waffenrecht. Eine Studie der Universität St. Gallen zeigte 2025, dass bei häuslichen Tötungen in der Schweiz überdurchschnittlich oft Schusswaffen zum Einsatz kommen, vor allem bei älteren Tätern. Ein Grund: Schweizer Männer können ihre Armeewaffen nach der Entlassung aus der Dienstpflicht behalten.
Kommentare
Kommentare :
I really hope for humanities sake that the laws change and protect women in this country. I find it appalling that Switzerland is always last to the party with modernizing their ways. I think some of the countries are much more advanced than Switzerland. Whether that comes with laws, air-conditioning, and overall taking care of their citizens. I have travelled the world and I find Switzerland very backwards. I was in the capital of this country over the summer and I thought the train structure was disgustingly hot. This is how Switzerland treats its citizens. They don’t care that you are suffering. As long as they are not spending money.
Will this change anything in 2027? I beg to differ. Will there really be laws to protect women from violent crimes and death? Women and men really be prosecuted correctly? I really don’t think so. There isn’t much that they do here anyways. The victim is always at fault. The perpetrator always has more leniency because he’s mentally ill because he had a bad childhood because because because. But how about the victim? Maybe she also had a bad childhood. Does she deserve to get killed because of it?
Häusliche Gewalt ist nicht nur ein wachsendes Problem in der Schweiz. In der gesamten islamischen Hemisphäre ist verbreitet und in der westlichen Welt ist sie immer mehr das schwache Glied in der zunehmenden gesellschaftlichen Gewaltverkettung, wo der Schwächere potenzielles Opfer ist. Die Opfer zu schützen fordert vor allem Vorbeugegewalt gegen die Gewaltbereiten und viel strengere Strafen.