In der föderalen Schweiz, in der die Bildungshoheit nicht beim Bund, sondern bei den Kantonen liegt, gleicht die Situation einem Flickenteppich. Der politische Trend geht aber ebenfalls in Richtung Verbot. Die Waadt und das Tessin haben Handys, wie man die Geräte in der Deutschschweiz oft nennt, an Schulen schon vor längerer Zeit verboten. Seit diesem Schuljahr gehören auch Nidwalden, Wallis, Aargau und Neuenburg dazu. Vergleichbare Vorstösse gibt es in Zug und im Thurgau, in anderen Kantonen wird ein Verbot teilweise nur mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der einzelnen Gemeinden abgelehnt. Viele Schulen kennen Regelungen, aber oft, ohne explizit zu verbieten, ihr Handy mit in die Schule zu nehmen. So müssen Schülerinnen und Schüler die Handys beispielsweise vor Unterrichtsbeginn an einem sicheren Ort deponieren. Je nachdem bleiben diese auch während der Pausen dort. Sicher ist: Verbote werden unabhängig von der politischen Couleur gefordert. Zudem wissen deren Verfechter eine klare Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter sich. Gemäss einer Studie des Schweizer Forschungsinstituts Sotomo sprechen sich rund 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer für ein Handyverbot an der Schule aus. Auf nationaler Ebene ist die Schweiz vorderhand noch weit von einem Gesetz entfernt. Allerdings muss sich der Bund auf Verlangen des eidgenössischen Parlaments mit der Thematik auseinandersetzen. Dieses hat zwei fast gleichlautende Vorstösse von grünen Ständerätinnen gutgeheissen, die vom Bund einen Bericht verlangen. Dieser soll aufzeigen, wie der Staat Kinder und Jugendliche vor übermässigem und schädlichem Konsum von Social Media schützen kann, und was er von einem Smartphone-Verbot an Schulen hält. Begründet werden die Vorstösse notabene mit dem Hinweis auf die eingangs erwähnten Studien.
Smartphones stören im Klassenzimmer. Aber sie sind auch Teil der Lebensrealität der Kinder. Selbst die Fahrkarte für den Bus befindet sich oft auf dem Smartphone.
Kompetenzen fördern
Doch was halten Schweizer Lehrkräfte, Schulleitungen und Experten für Jugendfragen von einem Handyverbot an Schulen? In einem Wort: wenig. Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) wies 2024 darauf hin, dass die Studien zum Thema ein uneinheitliches Bild zeigten. Der Erfolg von SmartphoneVerboten in Schulen hänge stark von der Umsetzung und den begleitenden pädagogischen Massnahmen ab.
Zwischen Kontrolle und der Förderung digitaler Kompetenzen im Umgang mit Smartphones und anderen digitalen Geräten an Schulen müsse sorgfältig abgewogen werden. Smartphones könnten zwar potenziell zu Ablenkungen, Suchtverhalten und Risiken wie Cybermobbing führen, böten aber auch wichtige Lernmöglichkeiten, argumentiert der LCH. Ein generelles Verbot sei nicht nachhaltig.
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