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10-Millionen-Schweiz: Wieviel Zuwanderung erträgt die Schweiz?

24.04.2026 – Theodora Peter und Susanne Wenger

Noch nie lebten so viele Menschen in der Schweiz. Die florierende Wirtschaft sorgt für eine starke Zuwanderung. Das sichert den Wohlstand, birgt aber auch Probleme. Ist die kleine Schweiz bald zu voll?

Mehr als 9 Millionen Menschen leben derzeit in der Schweiz. Das sind dreimal so viele wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den Nachkriegsjahren sorgte eine hohe Geburtenrate für ein rasches Bevölkerungswachstum, seit der Jahrtausendwende ist es eine starke Zuwanderung. Seit 2002 können Arbeitnehmende aus dem europäischen Wirtschaftsraum in der Schweiz eine Stelle antreten und ihre Familie nachziehen. Die Einführung der Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union (EU) ermöglichte es im Gegenzug den Schweizerinnen und Schweizern, sich im EU-Raum niederzulassen und dort zu arbeiten. Inzwischen leben mehr als 530 000 Auslandschweizerinnen und -schweizer in einem europäischen Land.

Die Öffnung des Arbeitsmarktes führte zu einer starken Zuwanderung in die Schweiz. Seit Anfang der Nullerjahre wuchs die Bevölkerungszahl insgesamt um zwei Millionen auf aktuell über 9 Millionen Menschen. Insgesamt leben heute 2,4 Millionen Menschen ohne roten Pass in der Schweiz, das entspricht rund 26 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zwei Drittel der Ausländerinnen und Ausländer stammen aus einem europäischen Land – allen voran aus Italien, Deutschland, Portugal und Frankeich.

10 Millionen bis 2040 erwartet

Gemäss Prognosen des Bundesamtes für Statistik (BFS) dürfte die Wohnbevölkerung in der Schweiz bis 2040 auf 10 Millionen und bis 2055 auf 10,5 Millionen Menschen anwachsen. Dieses Referenzszenario geht davon aus, dass die Zuwanderung wie bisher weitergeht. Die Wirtschaft ruft nach frischen Arbeitskräften: In der Schweiz werden in den nächsten Jahren mehr Leute pensioniert, als neu auf den Arbeitsmarkt nachrücken. Die Zuwanderung bremst die demografische Alterung der Gesellschaft, kann diese aber nicht aufhalten. Die über 65-Jährigen machen heute rund 20 Prozent der gesamten Bevölkerung aus, im Jahr 2055 wird ihr Anteil auf 25 Prozent angestiegen sein.

Eingewanderte Arbeitskräfte halten die Wirtschaft am Laufen, zahlen Steuern und tragen zur Finanzierung der Altersvorsorge bei. Trotzdem sorgt das rasche Bevölkerungswachstum für Unbehagen – gar von «Dichtestress» ist die Rede. Spürbar sind die Wachstumsfolgen vor allem in den Ballungszentren, wo der Wohnraum zunehmend knapp wird. Im dichtbesiedelten Mittelland zwischen Genfer- und Bodensee leben bereits heute rund zwei Drittel der gesamten Bevölkerung. Dort stehen die Pendlerinnen und Pendler zu Stosszeiten im Stau oder drängen sich in volle Züge, Busse und Trams. Die Politik bleibt nicht untätig: Der Bundesrat plant bis 2045 Investitionen von insgesamt über 40 Milliarden Franken in das Verkehrsnetz.

SVP-Initiative fordert Obergrenze

Der Schweizerischen Volkspartei (SVP) geht das «unkontrollierte» Bevölkerungswachstum zu weit. Am 14. Juni 2026 kommt ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» zur Abstimmung. Konkret will die SVP in die Verfassung schreiben, dass die ständige Wohnbevölkerung die Zahl von 10 Millionen Menschen nicht vor dem Jahr 2050 überschreiten darf. Sobald ein Grenzwert von 9,5 Millionen erreicht ist, müssten die Behörden Massnahmen ergreifen, um die Migration stark zu drosseln. Gemäss den BFS-Prognosen könnte dieses Szenario bereits in den nächsten 5 bis 10 Jahren eintreffen. Die SVP zielt mit der Initiative letztlich auf eine Kündigung des Abkommens zur Personenfreizügigkeit mit der EU – sofern nach einer Überschreitung des Grenzwertes «keine Ausnahme- oder Schutzklauseln ausgehandelt oder angerufen werden konnten».

Mit der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» zielt die SVP auf eine Kündigung der Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU.

Vor sechs Jahren stellten sich die Schweizerinnen und Schweizer an der Urne klar gegen einen Ausstieg aus der Personenfreizügigkeit: Mit rund 57 Prozent Neinstimmen lehnten sie 2020 die SVP-Initiative «Für eine massvolle Zuwanderung» ab. 2014 hingegen hatte die migrationskritische Partei an der Urne noch einen Erfolg verzeichnet: Damals nahm das Volk die Initiative «Gegen Masseneinwanderung» mit 50,3 Prozent knapp an. Umgesetzt wurde die Forderung nach Höchstzahlen aber letztlich nicht, weil Regierung und Parlament keinen Bruch mit der EU riskieren wollten. Stattdessen sollte das inländische Potenzial an Arbeitskräften besser genutzt werden.

Weichenstellung für Europapolitik

Auch mit der jüngsten SVP-Initiative gegen eine «10-Millionen-Schweiz» sehen die Behörden den bilateralen Weg in Gefahr: Mit der Kündigung des Abkommens zur Personenfreizügigkeit wären auch die übrigen Verträge hinfällig. Negative Konsequenzen drohen auch den im EU-Raum lebenden Schweizern und Schweizerinnen, sofern ihr Aufenthaltsrecht an die Personenfreizügigkeit geknüpft ist.

Der Bundesrat, die Mehrheit des Parlamentes sowie Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften stellen sich gegen die «radikale» Initiative, die aus Sicht der Gegner Arbeitsplätze und den Wohlstand in der Schweiz aufs Spiel setzt. Die Regierung räumt ein, dass die Zuwanderung und das Bevölkerungswachstum für die Schweiz mit «Herausforderungen» verbunden sind – etwa auf dem Wohnungsmarkt. So sollen mehr öffentliche Gelder in den Bau preisgünstiger Wohnungen fliessen.

Die Abstimmung vom 14. Juni 2026 ist ein folgenreicher Stimmungstest für den bilateralen Weg.

Die Abstimmung vom 14. Juni 2026 erfolgt europapolitisch in einem heiklen Moment. Im März setzten der Bundesrat und die EU-Kommission die Unterschrift unter ein neues Vertragspaket, auf das sich beide Seiten nach langen Verhandlungen geeinigt hatten («Revue» 2/2025). Es erneuert und erweitert die bisherigen bilateralen Abkommen. Enthalten ist auch eine sogenannte «Schutzklausel». Demnach dürfte die Schweiz die Zuwanderung bei «schwerwiegenden wirtschaftlichen oder sozialen Problemen» einschränken. Wann und wie dieser Mechanismus greifen soll, ist im Detail noch offen und dürfte noch viel zu reden geben. Nach dem Parlament, das die Verträge noch ratifizieren muss, wird voraussichtlich im Jahr 2028 das Stimmvolk das letzte Wort haben.

Schwerpunkt | 10-Millionen-Schweiz

Noch nie lebten so viele Menschen in der Schweiz. Die florierende Wirtschaft sorgt für eine starke Zuwanderung. Das sichert den Wohlstand, birgt aber auch Probleme. 

Teil 1: Wie viel Zuwanderung erträgt die Schweiz?

Teil 2: Ohne ausländische Fachkräfte läuft wenig
   mit den Einsichten einer Zu- und Abgewanderten

Teil 3: Zu viele Menschen für zu wenig Wohnraum?

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Kommentare :

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    Alfred Hodel, Gambia 30.04.2026 um 16:12

    Die Kampagne gegen Einwanderung ist falsch. Es geht nicht um qualifizierte Einwanderung. Die brauchen wir in der Schweiz. Was wir nicht brauchen sind Flüchtlinge, die in die Schweiz kommen und keinen sozialen Beitrag leisten. Das sollte klargestellt werden. Ich bin ausgewandert 1969. Besuchte die Schweiz 2023. Muss ganz ehrlich sagen: Ich kenne meine Schweiz nicht mehr. Ich hoffe, bei der Abstimmung wird das klargemacht und ehrlich diskutiert, was die Schweiz in Zukunft möchte. Herzliche Grüße aus Afrika

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    Heini Pfenninger, z.Z. Lottstetten, BRD 27.04.2026 um 19:01

    Diese Zahlen sprechen für sich:

    Land Einwohner Fläche km2 Einwohner/km2
    Mio

    Ungarn 9,539 93‘036 103
    Österreich 9,197 83‘883 110
    Schweiz 9,104 41‘291 220

    (Quelle: Wikipedia)

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  • user
    Rudolf Megert, Brasilien 27.04.2026 um 18:19

    Die Debatte über die 10 Mill Grenze erscheint fast wie Spott und Hohn! Gäbe es 20 Mill Mietwohnungen im Land und eine Maximale Bevölkerungsdichte von 100 Personen (wohnhaft) auf einem Quadratkilometer würde es kaum eine Rolle spielen wieviele Leute in der Schweiz leben. Gäbe es genug Arbeit für alle, genügend Platz in öffentlichen Sport- und Freizeit-Anlagen wäre alles wunderbar - egal wieviele Leute da sind. Eine solche Situation hat aber seit den 90er-Jahren schrittweise aufgehört zu existieren - nur dass keiner der Verantwortlichen Augen oder Ohren dafür hatten!

    Rettet die Schweiz, nicht mit leeren Wünschen für eine Zukunft, sondern mit Taten die schon längst hätten erledigt werden müssen. Dabei geht es nicht nur um die Bevölkerungszahl, sondern auch darum, dass die Verantwortlichen den Trägern der Gesellschaft (die Arbeiter- und Mittelklasse) ein System, ein Land bieten können das Arbeit sich finanziell wieder lohnt (weil Wohnungen, Krankenkasse und vieles mehr, sowie die Kostenexplosion eines überwuchernden politischen Verwaltungsapparates wieder schmerzfrei und erschwinglich wurden)!

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    Kurt Fehlmann, Hervey Bay, QLD, Australia 26.04.2026 um 05:57

    I firmly belief in the preservation of the prevailing culture in Switzerland and as such limiting the population growth to 10 million is very appropriate. Despite the fact that Switzerland needs foreign workers limiting immigration is self-sustaining, but it may mean that some residence will have to work in jobs that may not suit their etiquette or niveous.


    I say this, as we here in Australia are at this very crossroad with an immigration toll of about 1.6 million since the election of Labor in 2022 and a housing shortage with rents and property values exceeding the means for a lot of young people and further are plagued with beliefs and values and crimes that we are not a custom to. Unless you want to make your situation in Switzerland worse, vote Yes to limiting immigration.

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    Charles Untersee, Texax, USA 26.04.2026 um 00:17

    Keep Switzerland for the Swiss.

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    Hansjörg Romer, Colombia 25.04.2026 um 20:34

    After traveling and living in USA, France, UK, Japan, Glarus (CH), Australia, Colombia, Canada, etc etc. Unchecked migration is HORRIBLE... Places with social programs paid for by the local people and culture, are always stressed by the longer living aging retired, that weren't anticipated by govt 50 years prior, when the taxes were collected, and multiple bunches of politicans have come in and gone, spending money that's been saved for the current elderly. Influxing 1000s or millions of non skilled social program leeches will simply destroy the delicate monetary balance of money awaiting those creeping towards retirement. 1'000'000 (over 10%) with no control of their own reproduction, will balloon to 3'000'000 within 3 to 5 years... all with open mouths... no skills... no Swiss culture... no work ethics... no allegiance to Swiss history or independence or individuality. If Switzerland wants to have fresh influx of new people, offer a 100'000 franc visa for 5 years. They must prove they have a desired skill... educational level. For families 100 for primary, 25 for each additional entry. With set plan to buy property. Engage in beneficial business that brings more wealth to Switzerland, tech,  tourism, engineering, etc. After 5 years, they can apply for citizenship with test of history, culture, basic comprehension of one of the 4 language along with English to communicate amongst all. The Swiss passport is one of the most poweful in the world. Understand this! Honor those Swiss that fought to create the heaven that is 9'000'000 of Switzerland.

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      ANGEFRAGT / Karin Stricker 28.04.2026 um 20:03

      Sorry, Hansjoerg, but you are wrong in regard to reproduction. Switzerland has a birth rate of 1.29, way below the 2.1 needed to maintain the population. Immigrants have a birth rate slightly higher than Swiss citizens, but with an average of 1.5 to 1.6 children per woman, it is still below 2.1. Therefore, you can't blame immigrants for the population growth. It is the fact, that our neo-liberal capitalism only works with population growth, otherwise the increase in standard of living is jeopardized. As long as the definition for "wealth" is material prosperity, the population will keep growing.

      The other topic you are wrong is the education level of immigrants. Most are brought into the country because there are no Swiss citizen doing their work. For decades, Switzerland has not been educating enough Physicians and nurses in the medical field, not enough engineers and scientists in technology and research, not enough skilled workers in manufacturing and construction, etc. These are all demanding professions, and it looks like Swiss citizens are not willing to take on these challenges. It is so much easier to gratuate with a degree in business or accounting - I know, I have both, a degree in Engineering and a MBA.

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