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  • Politik

Linke fordern Milliarden für den Klimaschutz

06.02.2026 – Eveline Rutz

Die Schweiz soll mehr investieren, um ihre Klimaziele zu erreichen. Dies verlangt die Klimafonds-Initiative. Das Nein-Lager wehrt sich dagegen, «künftige Generationen mit Schulden zu belasten».

Nebst den Klimatologinnen und Klimatologen schlagen vorab Parteien aus dem linken Spektrum Alarm: SP und Grüne warnen, die Schweiz erwärme sich doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. Ohne konsequenten Klimaschutz steuere sie auf eine Erwärmung von bis zu 4,9 Grad bis Ende Jahrhundert zu. «Hitzetage, Dürren und Starkregen nehmen zu und belasten sowohl unsere Gesundheit als auch unsere Infrastruktur», sagt SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer. Um die Klimakrise – «eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit» – wirksam zu bewältigen, fordern die linken Parteien, dass sich der Staat stärker engagiert. Sie wollen dafür einen Fonds schaffen, der jährlich mit 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gespiesen wird. Ihre Initiative «Für eine gerechte Energie- und Klimapolitik: Investieren für Wohlstand, Arbeit und Umwelt» (Klimafonds-Initiative) gelangt am 8. März 2026 an die Urnen.

Ereignisse wie der Gletscherabbruch und Bergsturz von Blatten bilden die Kulisse, vor der sich die politische Debatte abspielt: Der Klimawandel sei längst schon in der Schweiz angekommen, argumentieren die Initianten. Foto Keystone

«Wir werden die Schweiz klimaneutral machen», versprechen die Initiantinnen und Initianten. Mit den Bundesgeldern – 3,9 bis 7,7 Milliarden Franken pro Jahr – wollen sie unter anderem Gebäude isolieren, E-Mobilität unterstützen und eine Solaroffensive starten. Des Weiteren möchten sie Biodiversität fördern sowie Umschulungen finanzieren, damit «niemand durch die sozialen Maschen fällt» und genügend Fachkräfte vorhanden sind. Die Vorlage soll dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null zu senken, wofür sich die Stimmberechtigten 2023 ausgesprochen haben. Die Schweiz soll zudem unabhängiger werden. «Der Klimafonds stärkt unsere Versorgungssicherheit, weil wir endlich von ausländischem Öl und Gas wegkommen», sagt Lisa Mazzone, Präsidentin der Grünen.

Bröckelnde Berge als Teil der realen und zunehmenden Bedrohung durch die Klimaveränderung: Das evakuierte Dorf Brienz/Brinzauls. Foto Keystone

Kritiker verweisen auf finanzpolitische Risiken

Der Bundesrat und eine Mehrheit des Parlaments sehen allerdings keinen Handlungsbedarf. Die aktuelle Klimapolitik «mit einem Mix aus gezielten Fördermassnahmen, Vorschriften und marktwirtschaftlichen Instrumenten» werde zur gewünschten CO₂-Reduktion führen, argumentieren sie. Statt breit zu subventionieren, fördere sie gezielt und setze wirksame Anreize. Weitere Gelder seien nicht notwendig. Heute geben Bund und Kantone jährlich rund 2 Milliarden Franken für Klimaschutz und Energie aus. 600 Millionen Franken fliessen in die Biodiversität.

Die Gegnerinnen und Gegner des Volksbegehrens raten davon ab, den Bundeshaushalt in einer bereits angespannten Finanzlage zusätzlich zu belasten. Sie kritisieren, dass für die geforderten Ausgaben die Mechanismen gegen die Staatsverschuldung nicht gelten sollen. «Das hätte zur Folge, dass man den kommenden Generationen einen Schuldenberg überlassen würde», sagt Nationalrat Andri Silberschmidt (FDP). Das sei alles andere als nachhaltig. Silberschmidt warnt vor so genannten Mitnahmeeffekten. Mit Subventionen würden oft Vorhaben unterstützt, die sowieso nahe lägen. So werde eine Ölheizung heute ohnehin meist durch eine Wärmepumpe ersetzt. Staatliche Förderbeiträge lösten selten eine grundsätzliche Verhaltensänderung aus. Nationalrat Nicolò Paganini (Mitte) sagt: «Die Initiative ersetzt Wirkung durch Symbolik, Haushaltsdisziplin durch Automatismus und demokratische Kontrolle durch Daueraufträge.»

Der Staat soll entschieden eingreifen

Der Klimawandel sei in der Schweiz angekommen, mahnen Befürwortende. Naturkatastrophen häuften sich. Dies habe sich in Gondo (VS), im Tessin, in Brienz/Brinzauls (GR) und zuletzt in Blatten (VS) gezeigt. «Es sind wir Menschen, die leiden», gibt Katharina Prelicz-Huber von den Grünen zu bedenken. Die Natur überlebe irgendwie, dem Menschen aber werde die Lebensgrundlage entzogen.

Um die Interessen künftiger Generationen zu schützen, müsse der Staat entschlossen handeln und investieren, findet SP-Nationalrätin Gabriela Suter. «Nur mit vorausschauenden Massnahmen sichern wir unseren Nachkommen eine Zukunft, in der sie genauso gut leben wie wir.» Aktuell tue die Schweiz zu wenig, um klimaneutral zu werden und internationale Verpflichtungen zu erfüllen, pflichtet ihr Marc Jost von der EVP bei. «Wir können uns den Status quo nicht mehr leisten.» Auch wenn die Vermeidung zusätzlicher Staatsschulden wichtig sei: Die Klimaziele zu verfehlen, sei teurer. Sollte das Stimmvolk die Initiative gutheissen, müsste der neue Fördertopf spätestens ab 2029 zur Verfügung stehen.

Bund und Kantone geben heute pro Jahr rund zwei Milliarden Franken für den Klimaschutz aus. Mit dem Klimafonds kämen gleich mehrere Milliarden dazu.

Die Abstimmungen vom 8. März 2026 im Überblick

Schweizer Franken soll in die Verfassung
Die Bargeld-Initiative fordert, dass der Bund die Versorgung mit Münzen und Banknoten dauerhaft garantiert. Bargeld ermögliche individuelle Freiheit und schütze die Privatsphäre, argumentieren die Initiantinnen und Initianten. Bundesrat und Parlament lehnen die Vorlage ab. Sie bevorzugen den moderateren Gegenvorschlag (siehe «Schweizer Revue» 5/2025: Die helvetische Liebe zum Franken).

Weniger Geld für die SRG
Die Radio- und TV-Gebühren sollen von 335 auf 200 Franken pro Haushalt gesenkt und Unternehmen ganz von der Abgabe ganz befreit werden. Dies verlangen SVP und Jungfreisinnige mit ihrer «Halbierungsinitiative». Siehe dazu den Schwerpunkt dieser Ausgabe.

Mehr in den Klimaschutz investieren
Die «Klimafonds-Initiative» verlangt, dass die Schweiz den Klimawandel engagierter bekämpft (siehe nebenstehenden Text). Sie soll dafür jährlich 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in einen Fonds legen und jährlich mehrere Milliarden Franken in die Dekarbonisierung von Verkehr, Gebäuden und Wirtschaft investieren.

Die Heiratsstrafe soll wegfallen
Natürliche Personen sollen künftig individuell Steuern zahlen: Ihr Zivilstand soll also keine Rolle mehr spielen. Der Bundesrat und eine Mehrheit des Parlaments wollen die sogenannte «Heiratsstrafe» abschaffen und stellen sich hinter das neue «Bundesgesetz über die Individualbesteuerung». Aktuell werden verheiratete Paare gemeinsam besteuert, was bei doppeltem Einkommen zu Nachteilen führen kann. Diese Praxis ist vom Bundesgericht schon 1984 als verfassungswidrig beurteilt worden. FDP, SP, Grüne und Grünliberale befürworten das Geschäft. Die Mitte, EVP, SVP und EDU sind dagegen. Sie warnen vor neuen Ungerechtigkeiten. Die Kantone befürchten hohe Steuerausfälle.

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