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Lager leiten mit Kopf, Herz und Hand

05.08.2021 – Mireille Guggenbühler

Junge führen Junge: Das ist in den meisten Schweizer Kinder- und Jugendferienlagern der Normalfall. Deshalb werden junge Menschen in der Schweiz in einer gezielten Ausbildung auf diese Rolle vorbereitet.

Zwischen Juli und August brennen abends schweizweit Hunderte von Lagerfeuern. Denn: Sommerzeit ist in der Schweiz auch Ferienlagerzeit. Zahlreiche Kinder- und Jugendorganisationen führen Zelt-, Velo- oder Wanderlager durch oder belegen eine Gruppenunterkunft. Zu den Anbietern von Lagern zählt seit Jahren auch der Jugenddienst der Auslandschweizer-Organisation (ASO): Er richtet sich mit seinen Camps an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter ab 15 Jahren. Das Ziel ist, unvergessliche Ferien in der zweiten Heimat zu bieten und den Kontakt zur Schweiz zu vertiefen.

Und die Jüngsten, Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren, spricht mit ihren jährlich neun Lagern die Stiftung für junge Auslandschweizer (SJAS) an. Das Ziel dieser Lager ermöglicht Auslandschweizer Kindern ihr Heimatland entweder erstmals – oder noch besser – kennenzulernen. Während der Lager werden Sehenswürdigkeiten besichtigt, Seen, Berge, Flüsse und Landschaften entdeckt, kleine Wanderungen unternommen – oder es wird gespielt, Sport getrieben, gebastelt und gezeichnet.

Dank Jugenddienst und SJAS finden jedes Jahr rund 400 Kinder und Jugendliche den Weg in die Schweiz.

Ferienlagerleben ist Sportförderung

Die Ferienangebote für junge Menschen aus der Fünften Schweiz reihen sich damit in eine ganze Palette an Ferienlagern in der Schweiz ein, die gleichzeitig Teil des nationalen Sportförderprogramms Jugend und Sport (J+S) sind. Jugend und Sport ist das grösste Sport- und Bewegungsförderungsprogramm des Bundes. Jährlich finden 80 000 Sportkurse oder Lager mit rund 637 000 Kindern und Jugendlichen statt. Bund und Kantone bilden angehende J+S-Leiterinnen und -Leiter in verschiedenen Sportarten und für die Führung von Lagern aus.

Die Leiterinnen und Leiter der Kinder-und Jugendverbände wie etwa der Pfadibewegung Schweiz absolvieren ihre Leiterkurse in der Sportart Lagersport/Trekking. Die Leiterinnen und Leiter von SJAS und ASO-Jugenddienst sind häufig bereits in Jugendverbänden aktiv und bringen deshalb diese Ausbildung schon mit. Gleichzeitig bietet SJAS in Zusammenarbeit mit dem Jugenddienst jährlich einen J+S-Leitendenausbildungskurs an für jene, die noch keinen absolviert haben.

In der Ausbildung wird ihnen vermittelt, wie sie Risiken minimieren können und was zu tun ist, wenn trotz bestmöglicher Vorbereitung dennoch etwas passiert.

Marco Gyger

Leiter Ausbildung Lagersport/Trekking beim Bundesamt für Sport

Die künftigen Lagerleiterinnen und -leiter durchlaufen während der Ausbildung verschiedene Stufen und übernehmen so Schritt für Schritt immer mehr Verantwortung. In den Kursen lernen sie, Aktivitäten zu planen und durchzuführen, erfahren, wie man mit Kindern und Jugendlichen umgeht, sie anleitet und nachhaltige Erlebnisse schafft. Die Leitenden werden dabei vor allem auch in der Durchführung von Outdooraktivitäten geschult und dabei sensibilisiert auf die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen

Eine besondere Sportart

Die Sportart Lagersport/Trekking bezeichnet Marco Gyger als «besondere Sportart, auf die ich stolz bin». Denn: «In dieser Sportart steht nicht die sportliche Leistung im Vordergrund, sondern wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz.» Kopf, Herz und Hand werden gleichermassen berücksichtigt.

Nachwuchsprobleme gibt es in der Sportart Lagersport/Trekking übrigens kaum: SJAS und Jugenddienst finden jedes Jahr genügend Leitungspersonen, und zwar durch Mund-zu-Mund Propaganda. Darunter sind viele, die bereits in Jugendverbänden aktiv als Leitende engagiert sind und deshalb die Leiterausbildung bereits durchlaufen haben. Die Leitenden müssen zwischen 18 und 30 Jahre alt sein und sich einem Bewerbungsverfahren stellen. Dreiviertel der männlichen Leitenden sind Zivildienstleistende. Viele der Leitenden sind Studentinnen oder Studenten, namentlich der Pädagogischen Hochschule, und werden später also als Lehrerin oder Lehrer arbeiten.

Mireille Guggenbühler ist freie Journalistin und lebt in Thun.

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