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Filippo Lombardi folgt auf Remo Gysin

30.09.2021 – MARC LETTAU

Remo Gysin legte Ende August sein Amt als Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO) nieder. Zu seinem Nachfolger wählte der Auslandschweizerrat den früheren Tessiner Ständerat Filippo Lombardi.

Der Auslandschweizerrat, also das «Parlament der Fünften Schweiz», liess an seiner Sitzung vom 20. August keine Zweifel offen: Es wählte den Tessiner Filippo Lombardi in aller Klarheit zum Nachfolger von alt Nationalrat Remo Gysin (SP, BS), der sein Amt als Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO) nach sechs Jahren niederlegte. Der neue Präsident ist innerhalb der ASO kein Unbekannter: Als bisheriger Vizepräsident ist Lombardi mit deren aktueller Agenda vertraut; und als einer der Wegbereiter des seit 2015 geltenden Auslandschweizergesetzes sind ihm die Anliegen jener gegenwärtig 776 300 Menschen mit Schweizer Pass, die nicht in der Schweiz selbst leben, bestens bekannt. Lombardi ist heute Stadtrat von Lugano. Bis 2019 vertrat er die CVP, die inzwischen unter dem Namen «Die Mitte» politisiert, im Ständerat, dem er zehn Jahre lang angehörte.

 

Im Projekt «Schweizer Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust» arbeitet er weiterhin: Remo Gysin, ehemaliger Präsident und neuer Ehrenpräsident der ASO. Foto Marc Lettau

Das Verhältnis Schweiz–EU bleibt eine Herausforderung

Anlässlich der Stabsübergabe sprach der abtretende Präsident Remo Gysin von Dankbarkeit. Er sei dankbar für die bereichernden Begegnungen mit all den Auslandschweizerinnen und -schweizern, die ihn mit ihrer «faszinierenden Mischung aus Schweizer Heimatgefühl und weltoffenen Herzen» beeindruckt hätten. Er übergebe seinem Nachfolger aber nicht nur «eine ASO, die auf Kurs ist». Zur Hinterlassenschaft gehörten auch gewichtige Herausforderungen. So werde Lombardi nicht umhinkommen, sich mit der Frage zu befassen, was die gescheiterten Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) für die 434 000 in der EU lebenden Schweizerinnen und Schweizer bedeute. Gysins Urteil: «Ich vermisse eine Strategie des Bundesrats.» Es sei nicht klar, «was der Bundesrat jetzt überhaupt will».

Filippo Lombardi, der neue ASO-Präsident, erachtet das Thema Schweiz–EU und die Wiedereinführung des E-Votings als zentral. Foto Marc Lettau

Filippo Lombardi sagte, das Verhältnis Schweiz–EU werde bestimmt den Beginn seiner Präsidialzeit prägen. Er werde der Schweizer Regierung nicht diktieren, wie sie ihre EU-Politik auszurichten habe. Aber er werde einfordern, die Lage der in der EU lebenden Schweizerinnen und Schweizer ernst zu nehmen. Sonst würden diese über kurz oder lang Nachteile erleiden. Schon jetzt spüre die Schweiz im Bereich Bildung («Erasmus») und Forschung («Horizon») erste empfindliche Einschränkungen. Als zweites Kernthema ortet Lombardi das E-Voting: Ohne E-Voting sei es für viele im Ausland Lebenden nicht möglich, an Abstimmungen und Wahlen in der Schweiz teilzunehmen. Die Stimme der Fünften Schweiz habe deshalb nicht das angemessene Gewicht. Verbessert werden müsse zudem die Repräsentativität des Auslandschweizerrats. Das taugliche Rezept auch da: E-Voting.

Verabschiedet hat der neu gewählte Auslandschweizerrat zwei Resolutionen: Er fordert von der Schweizer Regierung die Ausarbeitung einer «klaren, transparenten Strategie» zur Erhaltung der «Errungenschaft der Personenfreizügigkeit» zwischen der Schweiz und der EU. Und er verlangt, dass in der Schweiz alle im Ausland ausgestellten Impfzertifikate anerkannt werden, sofern ein WHO-anerkannter Impfstoff verwendet wurde. revue.link/euresolution | revue.link/impfresolution

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