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  • Editorial

Kampf um die Ausrichtung der Politik

13.01.2015 – Barbara Engel

Seit Mitte Dezember steht die «Neue Zürcher Zeitung» im Zentrum des medialen und politischen Interesses. Dies nicht nur in der Schweiz, denn die «NZZ» ist die einzige Schweizer Zeitung, die auch international Beachtung findet. Was ist geschehen?

Chefredaktor Markus Spillmann, ein profilierter Journalist, wurde vom Verwaltungsrat abgesetzt – zwar nicht offiziell, aber de facto. Die Redaktion, über 200 Journalistinnen und Journalisten, protestierte gegen die Pläne des Verwaltungsrats, Markus Somm zu Spillmanns Nachfolger zu machen. Somm, ein profilierter Journalist auch er, ist im politischen Spektrum ganz rechts angesiedelt – zudem ist er ein ­Intimus und der Biograf von Christoph Blocher, dem Vizepräsidenten und Spiritus rector der SVP. 

Die Entscheidung, wer künftig die 234 Jahre alte, eng mit der FDP liierte «NZZ» publizistisch leitet, stand beim Schreiben dieser Zeilen noch aus. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schrieb dazu: «Das Durcheinander ist gross», mit seinem «ungeschickten Verhalten» habe der Verwaltungsrat «einen Scherbenhaufen angerichtet».

Klar ist jedenfalls, diese Kraftprobe reflektiert den Kampf um die künftige Ausrichtung der Schweizer Politik. Die liberale, aber differenziert-kritische Haltung der «NZZ» und ihres Chefredaktors ist SVP-nahen Kreisen ein Dorn im Auge – sie versuchen, das Blatt für den laufenden Wahlkampf auf ihre Linie zu bringen.

Ein profunder Kenner der Schweizer Politik ist Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie an der Universität Zürich. Seine Analysen sind so klarsichtig, dass er bei allen Parteien hohes Ansehen geniesst. Seine Beobachtungen im Wahlkampf und seine Reflektionen dazu wird er in diesem Jahr in einer Kolumne in jeder Ausgabe der  «Schweizer Revue» darlegen. Ab Seite 12 in diesem Heft schreibt Kohler unter anderem über Entscheidungsfindungen, über die Classe politique und über Kompromisse.

Viel Echo ausgelöst hat der Artikel in der «Schweizer Revue» vom Dezember zum Sprachenstreit und zur Diskussion um das Frühfranzösisch und den Sprachunterricht in Schweizer Schulen. Für uns überraschend: In den Leserbriefen und Kommentaren der Auslandschweizerinnen und -schweizer wertet die grosse Mehrheit den Frühunterricht und die Kenntnisse in der zweiten grossen Landessprache, also Französisch oder Deutsch, höher als Englischunterricht schon in der Primarschule. Hier ein Zitat, das die Meinung vieler wiedergibt: «Englisch lernt früher oder später (fast) jeder, weil es omnipräsent, prestigeträchtig und nützlich ist.»

Barbara Engel

Herzlich danken möchte ich an dieser Stelle auch allen Leserinnen und Lesern, die sich – ausnahmslos konstruktiv – zum neuen Layout und zur neuen Website geäussert haben.

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