Schweizer Tier des Jahres | Erinaceus europaeus
17.07.2026 – Susanne Wenger
Seit fast 30 Jahren ernennt Pro Natura das Schweizer Tier des Jahres. 2026 fiel die Wahl auf den Braunbrustigel, Erinaceus europaeus. Eine überraschende Entscheidung der ältesten Naturschutzorganisation der Schweiz, denn kein Wildtier braucht hierzulande weniger Aufmerksamkeit als der Igel.
Sein niedliches Aussehen und die Fähigkeit, sich stachlig einzurollen, entzücken die Nation. Wenn er in Sommernächten schnüffelnd und schmatzend durch die Gärten tippelt, löst dies Freude aus. Freiwillige pflegen verletzte Tiere in Stationen, und am Strassenrand mahnen Plakate zur Vorsicht, damit Igel sicher die Fahrbahn überqueren.
Wozu also die Auszeichnung? Um zu zeigen, dass Sympathie allein nicht genügt. Der Igelbestand in der Schweiz schrumpft, seit vier Jahren gilt das Tier als «potenziell gefährdet». Der Grund: Igel leben heute vor allem in Städten und Dörfern, wo dichter werdende Siedlungen ihre Lebensräume zerstören. Pro Natura ruft dazu auf, dem Igel das Leben in unserer Nähe zu erleichtern.
Die nachtaktiven Tiere brauchen Unterschlüpfe als Tagesverstecke und für ihre Nester. Sie brauchen Durchgänge in Zäunen und Mauern für ihre Streifzüge. Und sie brauchen naturbelassene Flächen mit Pflanzen, die Insekten anlocken – Käfer, Tausendfüssler und Raupen stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Zudem gilt es tödliche Gefahren zu beseitigen: Pools sollten abgedeckt, Mähroboter vermieden werden. Gegen deren Klingen schützen den Igel auch seine bis zu 8000 Stacheln nicht.
Fachleute raten der ordnungsliebenden Schweizer Bevölkerung: Statt sauber gemähtem Rasen und aufgeräumten Gärten bevorzugt der Igel Unordnung mit Laubhaufen und Totholz. Im November zieht er sich wieder in den Winterschlaf zurück – vorausgesetzt, er findet ein passendes Plätzchen.
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