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Abstimmungssonntag

04.02.2021 – Ruth von Gunten

«Es würde ein ganz besonderer Tag werden. Vreni sah über den Nebel hinweg, der den ­Bauernhof seit Freitag einhüllte…». ­

Bäuerin Vreni sollte, wie üblich bei einem Abstim­mungs­­sonntag, Sandwiches für die Stimmenzähler vorbereiten. Doch dieses Jahr ist alles anders, denn sie muss nach Bern ins Frauenspital fahren, um sich einer Unterleibsope­ration zu unterziehen. In der Stadt erwartet sie ihre Tochter Margrit, die dort als Sekretärin arbeitet. Bevor aber Vreni ins Krankenhaus eintreten kann, muss sie ihre Tochter, die sich gegen die sexuellen Übergriffe ihres Chefs nicht zu wehren weiss, noch tatkräftig unterstützen.

Im Krankenhaus lernt Vreni die Verwaltungsangestellte Beatrice und die Putzfrau Esther kennen. Esther wurde als Kind ihren jenischen Eltern weggenommen und ins Heim gesteckt. Später wird auch ihr das Kind weggenommen, das nun als Verdingbub auf dem Bauernhof von Vreni arbeitet. Die ledige Beatrice, aus bürgerlichem Hause, geht in ihrer Arbeit im Krankenhaus auf und sie engagiert sich für das Frauenstimmrecht, über welches an diesem Sonntag im Jahre 1959 entschieden wird.

Die Autorin Clare O’Dea widmet in ihrem Roman «Der Tag, an dem die Männer Nein sagten» jeder der vier so unterschiedlichen Frauen ein Kapitel. An diesem Tag 1959 kreuzen sich ihre Wege mit tiefgreifenden Folgen. Es ist für alle Schweizer Frauen ein wichtiger Tag, denn die Schweizer Männer stimmen zum ersten, aber nicht zum letzten Mal über das Frauenstimmrecht ab. Der Tag wird aus der Sicht dieser vier Frauenfiguren aus verschiedenen sozialen Schichten erzählt. Geschickt verwebt die Autorin ihre Lebensgeschichten miteinander und beleuchtet so die Situation der Frauen in der Schweiz Ende der Fünfzigerjahre. Clare O’Dea setzt dafür eine einfache, ­äusserst liebevolle Sprache ein. Es sind exemplarische Geschichten von Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen.

Clare O’Dea wurde 1971 in Dublin geboren, wo sie Sprachwissenschaften studierte und als Journalistin arbeitete. Seit 2003 lebt sie in der Schweiz, an der deutsch-französischen Sprachgrenze im Kanton Freiburg, und arbeitet als Autorin, Journalistin und Übersetzerin. 2016 erschien ihr vielbeachtetes Buch «Die wahre Schweiz». «Der Tag, an dem die Männer Nein sagten», ihr erster, kurzer Roman, erscheint gleichzeitig in der englischen Originalversion sowie in deutscher, französischer und italienischer Sprache. Ins Deutsche übertragen, und zwar ausgezeichnet, wurde das Werk von der Übersetzerin und Autorin Barbara Traber.

CLARE O’DEA: «Der Tag, an dem die Männer Nein sagten»

ISBN 978-2-9701445-1-9

119 Seiten, 20 CHF

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