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Von der Studentin zur Handwerkerin

30.09.2021 – RUTH VON GUNTEN | educationsuisse

Educationsuisse berät junge Auslandschweizerinnen und -schweizer, die für ihre Ausbildung in die Schweiz kommen. Melina Mutti ist eine von ihnen. Sie berichtet über ihren Neuanfang in der Schweiz.

«Ich bin in Frankreich, nicht weit von meinem Geburtsland entfernt, aufgewachsen. Von meinem Fenster aus konnte ich auf der anderen Seite des Genfersees die Schweiz sehen! Es fühlte sich seltsam an, ausserhalb des ‹eigenen› Landes aufzuwachsen, denn egal, wie sehr man sich mit dem Land identifiziert, gehört man weder hier noch dort wirklich dazu. Doch diese Situation eröffnet auch neue Möglichkeiten und erlaubt viele Lebenserfahrungen zu sammeln.

«Damit es rundläuft», sagt ­Melina Mutti, «braucht man bei Veränderungen oft eine helfende Hand.» Fotos zvg

Als Tochter zweisprachiger – deutsch-französischer – Eltern hatte ich die Chance, die Verbundenheit mit meinem Heimatland zu bewahren, indem ich Schweizerdeutsch sprechen konnte. Ich verliess die Schweiz und seinen Kanton Bern, als ich sieben Jahre alt war, und kam als 21-Jährige 2015 wieder zurück. In Frankreich hatte ich während zwei Jahren ohne grosse Überzeugung studiert und ich wollte meinem Berufsleben einen Sinn geben: Ich fühlte mich nicht in der Lage, mit meinen Händen etwas Schönes und Nützliches zu schaffen. So wandte ich mich einem Handwerksberuf zu und landete an der Walliser Modeschule, um eine Lehre als Bekleidungsgestalterin mit Schwerpunkt Damenbekleidung zu absolvieren. Aus der Studentin der arabischen Linguistik wurde eine handwerklich Lernende. Für eine ‹Intellektuelle› schien die Arbeit auf den ersten Blick nicht so kompliziert zu sein. Doch musste ich mich ziemlich hineinknien, um meine neue Ausbildung nach drei Jahren mit dem angestrebten Diplom erfolgreich abzuschliessen. Daraufhin beschloss ich, mein Wissen an einer höheren Fachschule zu vertiefen und diplomierte Technikerin HF Textil zu werden. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Zürich oder Lugano. Ohne ein Wort Italienisch zu sprechen, entschied ich mich für Lugano, also für die Schule für Textiltechnikerinnen STA (Scuola specializzata superiore di abbigliamento e design della moda). Zweifellos war dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens, aber auch eine der schwierigsten. Glücklicherweise verlief meine Integration im Tessin ebenso schnell wie gut. Am Ende der zwei Studienjahre war ich vollständig zweisprachig und umringt von Tessiner Freunden.

Sechs Jahre nach meiner Rückkehr in die Schweiz bereue ich diese Wende in meinem Leben noch immer nicht. Natürlich kommen grosse Veränderungen nie allein, und oft braucht man eine helfende Hand. Im Laufe der Jahre haben meine Familie und ich immer Unterstützung von Schweizer Institutionen und von der Schweizer Gemeinschaft im Ausland erfahren.

Heute bin ich stolz darauf, dass ich an derselben Schule, an der ich ausgebildet wurde, angehende Bekleidungsgestalterinnen unterrichte. Dank den Stipendien meines Heimatkantons Bern und den Mitarbeiterinnen von educationsuisse, die mich während dieser Jahre begleiteten, konnte ich mich ausbilden lassen, meinen Weg finden und meinem Leben durch meinen Beruf einen Sinn geben. Heute freue ich mich, an der Berufsausbildung junger Frauen und Männer mitzuwirken und auch ihnen vielleicht zu ermöglichen, ihren Weg zu finden.»

Auf der Facebookseite von educationsuisse sowie auf www.educationsuisse.ch werden regelmässig Erfahrungsberichte von jungen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern veröffentlicht.

Telefon +41 31 356 61 04 | E-Mail | www.educationsuisse.ch

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