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Steiner & Madlaina | Unverblümt kritisch, entwaffnend zerbrechlich

09.04.2021 – MARKO LEHTINEN

Sie sprechen eine deutliche Sprache. «Wenn viel zu viele gern mit dem Feuer spielen, in Hass losgerannt und Hoffnung verbrannt, haben wir versagt». So tönt es im Lied «Heile Welt». Auch die Bildsprache zur neuen Single von Nora Steiner und Madlaina Pollina ist direkt und unverblümt. Donald Trump, Plastikmüll an einem Strand, Flüchtlinge, Despoten und die Mauer an der mexikanischen Grenze sind im Clip zu sehen. Steiner & Madlaina singen, «dass die heutige Zeit die Menschheit entzweit», bevor die Zeilen in einem ebenso melancholischen wie eingängigen Refrain aufgehen. Wehmut nach einer heilen Welt kommt auf, dazu gibts Bilder aus einer idyllischen Kindheit irgendwo auf dem Land.

Eine poppige Melodie in Kombination mit einem schnörkellos kritischen Text – das bringt den Reiz dieses Liedes auf den Punkt. Doch «Heile Welt» ist nur eine von vielen Facetten auf dem neuen Album «Wünsch mir Glück». «Denk, was du willst» ist eine akustisch gehaltene Singer-Songwriter-Nummer über selbstzerstörerische Lust und Sehnsucht, das Titelstück «Wünsch mir Glück» ein entwaffnend zärtliches Liebeslied: «Warst du gestern, als ich blieb, auch kurz verliebt?» Am Ende bleibt die Einsamkeit. «Wenn ich ein Junge wäre» ist wiederum eine Indierocknummer mit krachenden Gitarren, raumfüllenden Synthies und treibendem Beat. «Wenn ich ein Junge wäre, würde man mir mehr zutrauen. Wer bestimmt das Rollenbild der Frauen?»

Steiner & Madlaina «Wünsch mir Glück» Glitterhouse/Irascible 2021

Das Duo aus Zürich hatte eben erst mit seinem Debüt in Deutschland auf sich aufmerksam gemacht, da war das zweite Album bereits im Kasten. Doch die Pandemie machte Steiner & Madlaina einen Strich durch die Rechnung.

Nun ist es endlich da. «Wünsch mir Glück» ist das erfrischende Werk zweier Frauen geworden, die in ihrer Haltung für eine engagierte Jugend stehen. Und aktuell sind die Lieder geblieben – auch wenn ein Donald Trump nicht mehr im Amt ist. Die meisten Erkenntnisse mögen zwar nicht wirklich neu sein und in ihrer Direktheit nicht eben poetisch. Aber immerhin drehen sie sich um politische und gesellschaftskritische Themen und nicht etwa um platte Oberflächlichkeiten. Da mag man Steiner & Madlaina ihren bisweilen altklugen Ton gerne verzeihen.

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