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Der kleine ­Schweizermacher

09.12.2021 – JÜRG STEINER

In diesem Buch steht kein überflüssiges und auch (fast) kein überraschendes Wort, und vermutlich wirkt es gerade darum beruhigend wie die Vollatmung in einer Yogastunde. Sie sitzen, die kurzen, trockenen, vor- und rückwärts geprüften Sätze, mit denen die ­Autoren die Substanz des Landes auf 170 kleine Buchseiten einkochen. Und trotzdem gestehen sie auf Seite 151 sogar der Corona-Pandemie und der umstrittenen Rolle des Bundesamts für Gesundheit (BAG) die notwendigen Zeilen zu.

Daniel Hurter, Urs Kernen, Daniel V. Moser-Léchot: Der kleine Schweizermacher. hep Verlag, Bern. 2021. 3. Auflage. 170 Seiten. 29 Franken.

Eigentlich hat «Der kleine Schweizer­macher» mit dem ambitionierten Untertitel ­«Alles Wichtige über unser Land», einen unheilvoll klingenden Titel. Er erinnert an den Film, den der Schweizer Regisseur Rolf Lyssy 1978 gedreht hatte und der die Einbürgerungspraxis der Schweiz kritisierte. «Der kleine Schweizermacher», eben in seiner dritten Auflage erschienen, dreht den Spiess quasi um und bereitet den Stoff, den Einbürgerungswillige intus haben müssen, für Schweizerinnen und Schweizer auf.

Natürlich steht da nichts, was man nicht wissen sollte. Aber dann nimmt die erwachsen gewordene Tochter zum ersten Mal ihr Stimmrecht wahr, es handelt sich um eine Referendumsabstimmung. Und man ist froh, auf ihre entsprechende Frage mit laienverständlichen Sätzen aus dem «Kleinen Schweizermacher» antworten zu können. Für die vielen Facetten der Schweiz die zutreffenden Worte präsent zu haben, ist schon nur im Familiengespräch oft gar nicht so einfach. Und ja: Man erhält bei der Lektüre eine Vorstellung, was es heisst, für das Einbürgerungsverfahren fit zu sein.

Zweifellos gibt es im «Kleinen Schweizermacher» auch Lücken, die ein ältliches Bild vermitteln. Das Kapitel zur Literatur etwa erwähnt die vier Männer Francesco Chiesa, Charles Ferdinand Ramuz, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Dann ist Schluss.

Tiefer blicken lassen hingegen etwa die Ausführungen zum Thema Versicherungen. Die Rede ist von einer «Mentalität, sich im Leben gegen alle Risiken absichern zu wollen». Deshalb schlössen Schweizerinnen und Schweizer, schreiben die Autoren, «Versicherungen ab, die kaum Sinn machen oder sogar schon durch andere Versicherungen gedeckt sind». Ähnlich lapidar formuliert das Autorentrio zu den ­Kirchenglocken: «Während viele diese Tradition schätzen, empfinden manche das Glockengeläute als Lärmbelästigung.» Solche Sätze ­bringen die Schweiz auch für Schweizerinnen und Schweizer auf den Punkt.

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