Die Schweiz hat wieder Olympia-Pläne
24.04.2026 – Eveline Rutz
Dieses Mal soll es klappen: In der Schweiz könnten 2038 Olympische und Paralympische Winterspiele stattfinden. Ein neuer, dezentraler Ansatz soll die Bevölkerung überzeugen.
Curling in Genf, Skispringen in Engelberg und Rodeln in St. Moritz. 2038 könnten schweizweit hochkarätige Wettkämpfe ausgetragen werden. Die Schweiz erwägt, sich als Gastgeberin für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele zu bewerben. Mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) steht sie bereits in einem «privilegierten Dialog». Das heisst: Sie muss sich nicht gegen andere Kandidaturen durchsetzen. Wenn sie den Anlass will und die Vorgaben des IOC erfüllt, erhält sie den Zuschlag. «Wir haben eine echte Chance», sagt Ruth Wipfli Steinegger, Co-Präsidentin des Vereins Switzerland 2038. Die Schweiz habe das IOC zuletzt überzeugt und daher diese exklusiven Konditionen erhalten. Sie werde ihren eigenen Weg gehen und zeigen, dass sich eine Olympiade ohne Gigantismus durchführen lasse. «Die Spiele sollen kleiner und nachhaltiger werden.»
Das Konzept setzt auf bestehende Sportanlagen und Verkehrsinfrastrukturen. Die Wettkämpfe sollen sich über alle Landesteile und Sprachregionen verteilen. Acht Austragungsorte sind vorgesehen. Die Athletinnen und Athleten sollen in drei «Clustern» (Romandie, Luzern und Graubünden) wohnen. Zum ersten Mal würde keine einzelne Stadt oder Region, sondern ein Land die Winterspiele durchführen. Das wäre eine Premiere. Ruth Metzler-Arnold, Präsidentin von Swiss Olympic und ehemalige Bundesrätin, spricht von einem «Projekt für die ganze Schweiz». Die Bevölkerung werde Teil der Spiele sein und langfristig profitieren.
Die Bevölkerung war bisher skeptisch
Das Stimmvolk beurteilte Olympia-Pläne in den letzten Jahren allerdings kritisch. Es befürchtete hohe Kosten für die Gemeinden, Touristenmassen sowie schädliche Effekte auf die Umwelt. 2013 und 2018 scheiterten lokale Projekte in Graubünden und im Wallis. Um die Belastungen für die Bevölkerung zu reduzieren, planen die Verantwortlichen nun landesweit. Sie wollen auf Neubauten verzichten sowie private Geldgeber involvieren. Diese sollen über 80 Prozent der Finanzierung leisten und mögliche Verluste tragen. Der Bund müsste rund 200 Millionen Franken beisteuern. Kantone und Gemeinden noch einmal so viel.
Die Schweiz muss ihre Kandidatur 2027 einreichen. Der Zeitplan ist daher eng. Bis Ende Jahr soll sich das Parlament entscheiden. Danach könnte die Bewerbung offiziell dem IOC übergeben werden. Auf kantonaler und lokaler Ebene stehen ebenfalls Entscheide an. Diese Debatten dürften aber zu einem Zeitpunkt stattfinden, wenn die Zusage des IOC schon vorliegt. Sollten einzelne Kantone oder Gemeinden das Projekt ablehnen, müssten die betroffenen Disziplinen an einen anderen Ort wechseln. Diese Flexibilität bestehe, bestätigt Ruth Wipfli Steinegger. Sie sagt: «Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten – auf allen Stufen der Gesellschaft.»
Ruth Wipfli Steinegger, Co-Präsidentin des Vereins Switzerland 2038
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