Der Bauboom in Chavannes folgt letztlich den Zielen des Bundesgesetzes über die Raumplanung. Dieses will, dass die urbane Entwicklung vor allem entlang bestehenden Verkehrsachsen erfolgt. «Der vorgegebene hohe Ausnützungskoeffizient setzt uns stark unter Druck», sagt Gemeindepräsidentin Loubna Laabar. Die starke bauliche Entwicklung der Gemeinde ziehe den Ausbau der Infrastruktur nach sich, zum Beispiel bei der Wasserversorgung, dem Verkehrsnetz, den Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Laabar sagt, das sei eine echte Herausforderung für eine so kleine Gemeinde mit ihrer recht tiefen Zahl an Steuerzahlenden: In Chavannes leben viele Studierende, aber kaum wohlhabende Steuerzahlende. Allerdings schwächt der gemeindeübergreifende Finanzausgleich das finanzielle Ungleichgewicht etwas ab. Was die Gemeindepräsidentin der Herausforderungen zum Trotz sagt: Die Gemeinde wolle auf jeden Fall die Lebensqualität vor Ort erhalten.
Eine Autobahn – mit Tempo 60 km/h
So will die Gemeinde etwa das Tempo auf sechs ihrer Strassen auf 30 km/h beschränken. Bei vier davon wurden diese Pläne bereits umgesetzt. Kürzlich beschloss sie zudem, eine Vereinbarung mit dem Bundesamt für Strassen und dem Kanton Waadt über den Bau einer Autobahnauffahrt in Chavannes aufzulösen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es auf dieser Strecke weniger Verkehr hat als erwartet. Die Gemeinde machte daraufhin den Vorschlag, auf den Autobahnanschluss zu verzichten, die Fahrspuren zu redimensionieren und die Geschwindigkeit auf 60 km/h zu reduzieren. «Der geplante Autobahnanschluss war unsinnig, denn Chavannes ist kein Verkehrsknotenpunkt und hat die niedrigste Motorisierungsrate im ganzen Kanton Waadt», sagt die Gemeindepräsidentin. Gleichzeitig weist sie auf die damit einhergehende Lärmbelästigung hin, von der viele Quartiere betroffen sind.
Chavannes-près-Renens ist die Schweizer Gemeinde mit dem niedrigsten Durchschnittsalter, nämlich 34,4 Jahre. Auch das weitere Umfeld ist jung. Im Bezirk West-Lausanne liegt der Durchschnitt bei 38,5 Jahren, im Kanton Waadt bei 40,6 Jahren.
Doch wie lebt es sich in dieser Gemeinde? Lisa Bonard betreibt das «Café de Chavannes» im Herzen des ehemaligen Dorfes. Sie träumt von festlichen Veranstaltungen, neuen Bars, einem Kino und einem zentralen Platz. «Es werden überall grosse Mehrfamilienhäuser gebaut, aber in Wirklichkeit lebt die Bevölkerung ihr Leben ganz woanders», sagt sie. Tatsächlich dient ihr Restaurant ein wenig als öffentlicher Treffpunkt. Eine bunte Mischung aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen kommt hierher: Studierende, Lehrkräfte und Arbeitskräfte. Die Lausannerin ist sehr engagiert: Sie hat einen Kunst- und Kreativmarkt ins Leben gerufen. Zudem hat sie die Degustation von Naturweinen und kreative Menüs im Angebot. Zu entdecken gibt es zum Beispiel ein hausgemachtes Cordon bleu mit Käsesauce und Pickles. All dies zieht Gäste aus der ganzen Region an.
Kommentare