Menu
stage img
  • Gesehen

Der diskrete Catwalk für helvetische Miezen

31.07.2018 – Marc Lettau

Ein typisches Objekt schweizerischer Wohnquartiere wird genauer untersucht. Endlich, ist man geneigt zu sagen.

Sie sind ein typisches und zugleich verkanntes städtebauliches Phänomen: die Katzenleitern im schweizerischen Suburbia. Nirgendwo sonst auf dem Globus fügen sie sich in einer solch eindrücklichen Zahl und Formenvielfalt diskret ins städtische Bild. Den Katzen wird mit viel architektonischem und bastlerischem Geschick eine passable Verbindung zwischen der freien Wildbahn und dem warmen menschlichen Zuhause offeriert: Wendeltreppen, schmale und gefährlich wippende Brücken, in kunstvollem Zickzack geführte Aufstiegshilfen bis hin zu den fellgepolsterten Kleinstbalkönchen, die an Hausfassaden geschraubt werden. Nur: Trotz der hohen Dichte der für die Katz errichteten Kunstbauten ist die Katzenleiter ein bislang unerforschtes Objekt. Das ändert sich jetzt: Die Autorin und Grafikdesignerin Brigitte Schuster erarbeitet gegenwärtig ein Referenzwerk über die Katzenleiter – und somit über die Beziehung zwischen dem urbanen Menschen und dem domestizierten Vierbeiner. Ein skurriles Vorhaben? Schuster ist es ernst. Sie arbeitet bei der Betrachtung der Katzenleitern soziologische, architektonische und ästhetische Blickwinkel heraus. Ihre Vertiefung ins Thema lässt die Frage zu, ob all die Treppchen den Menschen letztlich wichtiger sind als den Tieren: Sie zeigen das Bedürfnis des Menschen, dem Tier Zugang ins Haus zu verschaffen. Katzen würden den Alltag wohl auch ohne Überbrückungshilfen meistern können. Schusters kunstvoll gestaltetes Werk wird – in Deutsch und Englisch – Anfang 2019 erscheinen, kann aber bereits jetzt subskribiert werden.

brigitteschuster.com/swiss-cat-ladders

top