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Peter Maurer

05.08.2022 – STÉPHANE HERZOG

Peter Maurer, seit 2012 Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), geht inmitten eines globalen Sturms von Bord. Angekündigt hatte er seinen Rücktritt bereits im November. Die Schweizer Diplomatin Mirjana Spoljaric wird seine Nachfolge antreten. Welches Erbe hinterlässt Maurer, der einst Staatssekretär im Aussendepartement war? Die Meinungen sind geteilt. Lob erhält er für sein Wirken zu den Themen Waffen der Zukunft und «Killerroboter», aber auch für die Tatsache, dass er die Genfer Institution für Nichtschweizer:innen geöffnet hat. Auch sein diplomatisches Geschick wird oft gewürdigt: Peter Maurer hat Persönlichkeiten wie Xi Jinping, Emmanuel Macron, Barack Obama und Wladimir Putin die Hand geschüttelt. Doch die Ergebnisse dieser Treffen sind umstritten. In der Zentrale würden einige leitende Angestellte den Übergang zu einer weniger diplomatiebetonten Führung begrüssen, die sich stärker auf die Hilfe für Konfliktopfer konzentriert. Sie wünschten sich oft, dass Maurer Menschenrechtsverletzungen deutlicher angeprangert hätte. «Er verkörpert die Diskretion des IKRK. Letztlich zählt die Wirksamkeit des Handelns», sagt ein Insider.

Der lauteste Misston: die Entscheidung Peter Maurers, dem Stiftungsrat des Weltwirtschaftsforums von Davos beizutreten. Eine humanitäre Organisation solle sich nicht mit Multinationalen einlassen, fanden einige ehemalige Delegierte. Unter der Ägide Maurers hat sich das Budget der Organisation beinahe verdoppelt und ist auf 2 Milliarden Franken angewachsen. Einige sehen den Geldsegen als zweischneidiges Schwert. Das IKRK nach Peter Maurer: Die wichtigste Menschenrechtsorganisation in einer zunehmend instabileren Welt zu präsidieren, scheint beinahe zwangsläufig eine «Mission Impossible» zu sein.

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