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Livia Leu

04.02.2021 – Theodora Peter

Sie hat den schwierigsten Job der Schweizer Diplomatie: Livia Leu muss als neue Chefunterhändlerin des Bundesrates das Rahmen­abkommen mit der Europäischen Union (EU) nachverhandeln. Eine Herkulesaufgabe: Am harten EU-Dossier haben sich schon Leus ­Vorgänger die Zähne ausgebissen. Doch die 59-jährige Spitzendip­lomatin hat in ihrer langen Karriere schon andere heikle Herausforderungen gemeistert. So wurde sie 2008 von der damaligen Aussenministerin Micheline Calmy-Rey auf den Botschafterposten nach Teheran geschickt – als erste weibliche Chefin einer ausländischen Mission in der islamischen Republik. Dort vertrat die Schweizer Botschafterin auch die Interessen der mit dem Iran verfeindeten USA. So setzte sich Livia Leu erfolgreich für die Freilassung von drei jungen US-Touristen ein, die unter dem Verdacht der Spionage zwei Jahre im berüchtigten Evin-Gefängnis schmorten.

Nach knapp fünf Jahren im Iran kehrte Leu 2013 mit ihrer Familie nach Bern zurück und leitete fortan in der Bundesverwaltung den Bereich Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen. 2018 folgte die Berufung auf den prestigeträchtigen Botschafterposten in Paris. Von dort holte sie Bundesrat Ignazio Cassis letzten Herbst wieder zurück ins Aussendepartement. Als neue Unterhändlerin soll Leu frischen Wind in das blockierte EU-Thema bringen. Bei ihrer Vorstellung vor den Medien sprach Leu diplomatisch von einer «grossen Herausforderung, auf die ich mich freue». Von Journalisten nach dem Verhandlungs­spielraum in Brüssel gefragt, liess sich die gewiefte Taktikerin nicht in die Karten blicken. Sie verriet nur so viel: Gefragt sei «Verhandlungskreativität». Was das heisst? «Es gibt nicht immer nur ein A oder B.»

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