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Julia Steinberger

27.01.2023 – SUSANNE WENGER

Letzten Herbst blockierten Aktivistinnen und Aktivisten zehn vielbefahrene Strassen in Schweizer Städten. «Renovate Switzerland» nennt sich die Bewegung. Sie fordert, mehr Gebäude energetisch zu sanieren. Das sei ein rasch umsetzbarer Beitrag zum Klimaschutz. Mit der Aktion wollte sie darauf aufmerksam machen. In Bern setzte sich auch eine international anerkannte Klimawissenschaftlerin in oranger Signalweste auf die Autobahn: Julia Steinberger, Professorin für ökologische Ökonomie an der Universität Lausanne. «Die Bewohnbarkeit unseres Planeten wird vor unseren Augen zerstört», sagte die 48-Jährige, «wir müssen alles tun, um unsere Zukunft zu retten.» Als die Polizei kam, klebte Steinberger ihre Hand an den Asphalt. Dann liess sie sich unsanft wegtragen.

Eine halbe Stunde dauerte die nicht ungefährliche Blockade, viel länger die Aufregung danach. Das war zwar einkalkuliert. Doch in der Politik stiess das radikale Verhalten der Wissenschaftlerin teilweise auf harsche Kritik. Es zieme sich nicht für eine Staatsangestellte. Auch die Medien fragten: Gehören Forschung und Aktivismus nicht getrennt? Steinbergers Antwort: Daten habe die Wissenschaft längst genug geliefert. Die gebürtige Genferin arbeitete selber am Bericht mit, den der «Intergovernmental Panel on Climate Change» (IPCC) 2022 publizierte. All die Hinweise der Forschung hätten nicht genug bewirkt, stellt sie fest. Jetzt brauche es andere Formen, damit die Leute die Dringlichkeit realisierten. «Gewaltfreien zivilen Protest» hält sie für legitim. Die Universität Lausanne verbietet ihrer Dozentin den Protest nicht. So wurde Professorin Julia Steinberger zum ernsten Gesicht der Klimabewegung in der Schweiz.

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