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Yvonne Ribi

04.02.2022 – SUSANNE WENGER

Sie ist Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachpersonen. Und ihr gelang mit der Annahme der vom Verband lancierten Pflegeinitiative ein Coup: Erstmals reüssierte ein Volksbegehren mit gewerkschaftlichen Anliegen. Viele hätten mitgeholfen, betonte Yvonne Ribi zwar. Und es stimmt, das Schweizer Pflegepersonal – immer noch über 80 Prozent Frauen – engagierte sich so breit wie selten. Allerdings hat Ribi massgeblichen Anteil am Erreichten. Geschickt machte sich die 45-jährige Thurgauerin eine historische Erfahrung der Pflege zunutze: Verbesserungen gibt es immer dann, wenn akuter Personalmangel herrscht. Dieser wurde in der Corona-Pandemie schmerzhaft offensichtlich, doch Ribis Einsatz begann lange vorher. Als sie 2013 ihre Führungsposition übernahm, brachte sie frischen Kampfgeist in die über hundertjährige Standesorganisation der Pflegenden. «Streiken liegt nicht in unseren Genen», sagte sie einmal, «wir fühlen uns ethisch verantwortlich, dass niemand zu Schaden kommt.» So trieb Ribi die Stärkung der Pflege auf politischem Weg voran, umgänglich und fundiert. Als diplomierte Pflegefachfrau hatte sie den Dauerdruck im Spital selber erlebt. Nach einer Managementausbildung kehrte sie dem Pflegebett den Rücken und wurde Interessenvertreterin. Von Rückschlägen im anfänglich eher desinteressierten Parlament liess sie sich nicht entmutigen. 2020 wählte die Leserschaft des Branchenportals Medinside sie zur zweitwichtigsten Person im Schweizer Gesundheitswesen. Yvonne Ribi führte es dem Land vor Augen: Aus den selbstlosen «Krankenschwestern» von einst sind qualifizierte Fachkräfte geworden, auf die die Schweiz angewiesen ist. Und wenn nötig stellt die Stimmbevölkerung sich hinter sie.

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