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Jean-Luc Godard

09.12.2022 – STÉPHANE HERZOG

Im Film «Ausser Atem» (1960) wendet sich Jean-Paul Belmondo plötzlich direkt zur Kamera. «Wie bitte, Sie lieben das Meer nicht? Sie machen sich aus dem Gebirge nichts? Für Städte haben Sie auch nichts übrig? ... Da kann ich nur sagen: Sie können mich ...!»

Die ersten Filme des französisch-schweizerischen Filmemachers Jean-Luc Godard, der am 22. September 2022 verstarb, schockierten die Kinowelt. Knappe Dialoge, Filmen mit geschulterter Kamera bei natürlichem Licht, abgehackter Schnitt: Sein ganzes filmisches Schaffen warf Konventionen über den Haufen. Seither hat sich sein Stil wie eine Welle in der Kinowelt ausgebreitet, und zwar so sehr, dass sich sein Erbe überall findet. Umfang- und facettenreich ist seine Filmkunst, sein Schaffen umfasst rund fünfzig Filme und ein Dutzend Reportagen.

Bis zu seinem Tod schuf er unermüdlich Werke mit den verschiedensten Medien: Smartphone, Video, Gemälde, Collagen. Dem Publikum war er auch wegen seiner geistreichen Sprüche ein Begriff. «Wer ins Kino geht, hebt den Kopf. Wer fernsieht, senkt ihn», bemerkte er einmal. Er liebte Tennis, wetterte aber gegen die Art, wie der Sport im Fernsehen gezeigt wird. Seine Vorstellung war eine ganz andere. «Ich würde irgendeinen Typen nehmen (…), der sich für ein Turnier qualifiziert. Er kommt nach Paris, hat fast kein Geld, wohnt in einem Hotel, Ibis oder Mercure, fährt mit der Métro, spielt sein erstes Match. Und verliert. In der nächsten Runde würde ich mich für den siegreichen Gegenspieler interessieren, dann für den Sieger dieses Spiels, was uns zwangsläufig bis ins Finale führen würde.»

So war Godard, dieser Star der Grossleinwand, der die Welt mit Waadtländer Akzent kommentierte – und damit alle, die ihm zuhörten, an seine Herkunft erinnerte.

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