Eva Allenbach, Italy

Eva Allenbach, Italien

 

Since Switzerland is a multilingual country, we have asked all participants to express themselves in their prefered language.

 

Wie verbunden fühlen Sie sich der Schweiz?

Ich fühle mich der Schweiz verbunden,  weil die Leute in der  Schweiz in der Regel am Umgang mit mehreren Sprachen gewöhnt sind und somit auch einen Einblick in verschiedene Kulturen haben, was im glücklichen Fall zu einer persönlichen  Horizonterweiterung führt und vielleicht auch ein Mittel gegen Rassismus ist.

Dann kommt auch ein gewisses Vertrauen in die Politik und in den Sozialstaat, das meiner Meinung nach auch davon abhängt, dass ich in der Schweiz aufgewachsen bin. Von Italienern  kann ich generell gesprochen nicht behaupten, dass sie Vertrauen in die Institutionen haben: in der Politik und in öffentlichen Ämtern gibt es viel Korruption und der Sozialstaat ist mangelhaft, letztendlich füllen die Familien die Lücken des Sozialstaates.

Ich fühle mich der Schweiz verbunden, weil ich als Schweizerin  („svizzera“), bezeichnet werde, denn in Rom sind die Schweizer fast eine Seltenheit und die Leute merken sich als erstes dein Herkunftsland. Dadurch, dass ich als Schweizerin definiert werde, mache ich mir auch selber mehr Fragen darüber, was „mich zur Schweizerin macht“, ob ich nach mehr als zehn Jahren in Rom immer noch „Schweizerin bin“, oder doch nicht mehr ganz.

 

Wann waren Sie das letzte Mal wirklich stolz auf die Schweiz oder haben sich für die Schweiz geschämt?

Es fällt mir gerade nichts bestimmtes ein…Ich finde es toll, dass man in der Schweiz,  wenn man in der Natur ist und z.B. Wanderungen macht,  selten auf Müll stoßt, es gibt eine Kultur der Achtsamkeit gegenüber Naturlandschaften und gegenüber dem öffentlichen Raum allgemein. Anderseits habe ich gestern im Radio gehört, dass die Schweiz auf Platz 14 weltweit für Waffenexport ist, was nicht gerade eine gute Nachricht ist und nicht sehr zum „humanitären Image“ der Schweiz passt.

 

Wie wird die Schweiz im Ausland/in Ihrem Gastland wahrgenommen?

Es wird als reiches Land mit sehr guten Löhnen wahrgenommen. Traumhafte Berglandschaften für Skifahrer, aber leider sehr teuer. Ein Ort nach dem man sich sehnt, arbeiten  zu können  und dort ein ruhiges, entspanntes und zurückhaltendes Leben zu führen. Ein Land, das schlau ist, weil es nicht der EU beigetreten ist. Der ideale Ort um eine Menge Geld zu verdienen, um dann in Italien oder anderswo ein lustvolles Leben zu führen.

 

Was bringen der Schweiz die bilateralen Verträge und Abkommen? Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie in diesem Zusammenhang gemacht?

Es vereinfacht massiv das Leben, wenn man in einem EU-Staat lebt: bevor ich von den bilateralen Abkommen profitieren konnte, musste ich während der Ausbildung (an der staatlichen Filmschule „Centro Sperimentale di Cinematografia“ in Rom) jedes Jahr meine Aufenthaltsbewilligung erneuern und mehrmals lange Zeit Schlange stehen, bis ich zum ersehnten Dokument kam.

 

Wie werden diese bilateralen Verträge und Abkommen in Ihrem Gastland gesehen?

Ich weiß nicht, was die Leute davon halten, man spricht nicht so darüber. Man spricht allgemein nicht viel von der Schweiz. Es herrscht Unklarheit auf den Ämtern, manche Beamte wissen nicht, dass die Schweiz nicht zur EU gehört, aber sobald man sagt, es gibt die bilateralen Verträge, wird man wie ein EU- Bürger behandelt, was ich als erfreulich empfinde.

 

Was bringt der Schweiz die Personenfreizügigkeit? Was könnte hier besser gelöst werden? Nehmen Sie persönlich diese Freiheit in Anspruch?

Ganz allgemein bringt es Europa näher. Schweizer können einfacher in einem EU- Staat leben und umgekehrt bin ich nicht so informiert, aber ich glaube, dass es auch für EU- Bürger einfacher ist, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten. Persönlich nehme ich diese Freiheit in Anspruch, da auch ich meinen Wohnsitz in Italien habe.

 

Welche Vorteile bietet Ihrer Meinung nach eine Doppelbürgerschaft?

Die Doppelbürgerschaft ist ein großer Vorteil. Ich wäre gerne Doppelbürgerin, um in Rom und in Italien auch abstimmen zu können. Und auch weil ich vom nationalen Gesundheitsdienst profitieren möchte. Ich bezahle die Steuern in Italien. Da ich aber als Schauspielerin tätig bin, habe ich „unkonventionelle“ Arbeitsverträge , d.h. kurze Verträge, für Drehtage, Proben- und Aufführungsverträge die nie länger als drei Monate dauern. Vertäge, die über drei Monate hinaus gehen, geben das Anrecht auf kostenlosen Gebrauch des nationalen Gesundheitsdiensts während der Zeit, in der der Vertrag gültig ist, ansonsten bezahlt der /die Schweizer/in jährlich eine Zusatzversicherung, die  400 euro kostet.

 

 

 

From 10-12 August 2018, the 96th Congress of the Swiss Abroad will take place in Visp on the theme of "Switzerland without Europe – Europe without Switzerland". For the occasion, the Organisation of the Swiss Abroad presents portraits of the Swiss abroad related to the congress theme in order to find out more about their impressions of life as Swiss living abroad and their view of international cooperation between their countries of origin and residence.

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