Das Neuste von unserem Partner swissinfo

  • Neue Häuser aus alten Plastikflaschen

    Sat, 19 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Plastik ist zum grössten Umweltverschmutzer der Welt geworden. Selbst in menschlichem Gewebe wurden schon Rückstände von Mikroplastik gefunden. Ein in der Schweiz von zwei Persönlichkeiten gegründetes Startup will dazu beitragen, dieses Problem zu verringern: Mit dem Bau von Häusern aus wiederverwerteten Plastikflaschen. Die Welt ertrinkt in Plastik. Von den 320 Millionen Tonnen Kunststoff, die jedes Jahr produziert werden und von denen nur neun Prozent recycelt werden, landen mehr als acht Millionen in den Weltmeeren. Nach Angaben der Vereinten Nationen wird sich der gegenwärtige Trend fortsetzen: Bis 2050 dürfte es in den sieben Weltmeeren mehr Plastik als Fisch geben. Heute hat diese weltweite Verschmutzung eine weitere Dimension erreicht: Forscher in den USA haben jüngst Fragmente von Mikro- und Nanokunststoffen in menschlichem Gewebe gefunden. Igor Ustino einer der Männer hinter dem erwähnten Schweizer Startup, besuchte in der indischen Region Kaschmir ein Projekt, das von...

  • Weiterhin undurchsichtige Politik-Finanzierung in der Schweiz

    Fri, 18 Sep 2020 14:30:00 GMT

    Die Schweiz ist der einzige Mitgliedstaat des Europarats, der kein Gesetz über die Finanzierung politischer Parteien ausgearbeitet hat. Regierung und Parlament lehnen nach wie vor jeden Schritt in Richtung grösserer Transparenz ab. Der Entscheid wird wahrscheinlich beim Stimmvolk liegen. Auf internationaler Ebene zeichnet sich die Schweiz durch ihr halbdirektes Demokratie- und Milizsystem aus. Aber auch durch ihre Undurchsichtigkeit bei der Finanzierung von politischen Kampagnen und Parteien. Sie ist der einzige Mitgliedstaat des Europarats, der noch kein Gesetz zu diesem Thema ausgearbeitet hat. Regelmässig wird die Schweiz von der Gruppe der Staaten gegen Korruption (Greco) kritisiert. Nur wenige Schweizer Kantone haben bisher entsprechende Gesetze erlassen. Und das Blatt scheint sich nicht zu wenden: Regierung und Parlament zögern, auch nur den kleinsten Schritt in Richtung mehr Transparenz zu machen. Der Nationalrat (grosse Parlamentskammer) lehnte soeben einen indirekten...

  • Too Small to Succeed? Die Schweizer Kandidatur für den UNO-Sicherheitsrat

    Fri, 18 Sep 2020 13:00:00 GMT

    Gegründet auf den Trümmern des zweiten Weltkrieges, feiert die UNO dieses Jahr bereits ihren 75. Geburtstag. Die Schweiz ist noch immer einer ihrer jüngsten Mitgliedstaaten. Rund zwei Jahrzehnte nach ihrem Beitritt strebt sie nun einen Sitz im Sicherheitsrat an. Die Kandidatur biete der Schweiz die Gelegenheit, zu zeigen, dass es ihr mit der Verfolgung eines inklusiven und transparenten Ansatzes ernst sei, schreibt Angela Müller, Vize-Präsidentin der Gesellschaft Schweiz-UNO GSUN. Der Sicherheitsrat, dieses so zentrale Gremium der UNO, welches unter anderem auch rechtlich bindende Beschlüsse fassen kann, besteht auf fünfzehn Mitgliedern, davon fünf permanente und zehn nichtständige, die von der UNO-Generalversammlung für jeweils zwei Jahre unter Berücksichtigung eines regionalen Verteilschlüssels gewählt werden. Die Schweiz kandidiert – ebenso wie Malta – für einen der beiden Sitze, welcher für ihre Ländergruppe in der Periode 2023/24 vorgesehen ist. Nicht nur aufgrund der...

  • Erster Schweizer UNO-Botschafter "kein Fan" einer Kandidatur der Schweiz

    Fri, 18 Sep 2020 13:00:00 GMT

    Der erste Schweizer UNO-Botschafter Jenö Staehelin sagte im Gespräch mit der NZZ, er sei "kein Fan" einer Kandidatur der Schweiz für den Sicherheitsrat. Das Risiko von Druckversuchen sei zu gross. Am Montag beginnt die 75. Generalversammlung der UNO. Die Schweiz will für einen nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat kandidieren. Die Diskussion über Pro und Kontra ist in der Schweiz in vollem Gange. So findet beispielsweise Angela Müller, Vize-Präsidentin der Gesellschaft Schweiz-UNO GSUN, die Schweiz sei nicht " too small to succeed". Die Kandidatur biete die Gelegenheit für die Schweiz, zu zeigen, dass es ihr mit der Verfolgung eines inklusiven und transparenten Ansatzes ernst sei. Nun zeigte sich der erste Schweizer UNO-Botschafter Jenö Staehelin im Interview mit der NZZ skeptisch gegenüber der geplanten Schweizer Kandidatur für einen nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Er sei "kein Fan". Nicht wegen der Neutralität, die sei kein Problem, da die Schweiz als...

  • Braucht es die UNO noch, Herr Pinheiro?

    Fri, 18 Sep 2020 11:00:00 GMT

    Paulo Sérgio Pinheiro ist seit 25 Jahren für die UNO tätig. Jüngst wurde der Brasilianer selbst zur Zielscheibe: In seinem Heimatland steht er auf einer schwarzen Liste von Regierungskritikern. Paulo Sérgio Pinheiro ist seit einem Vierteljahrhundert für die Vereinten Nationen tätig. Der 76-Jährige engagiert sich weltweit für den Schutz der Menschenrechte, aktuell als Vorsitzender der UNO-Untersuchungskommission zu Syrien. In seinem Heimatland Brasilien hat Pinheiro jedoch einen schweren Stand: Der Rechtsgelehrte wurde kürzlich auf eine schwarze Liste von Regierungskritikern gesetzt. Im Interview mit swissinfo.ch berichtet Pinheiro über die Herausforderungen in der UNO während der letzten 25 Jahre, den Multilateralismus, die zentrale Rolle, welche die Überlebenden in seiner Arbeit spielen. Und darüber, dass er in Brasilien als politischer Dissident gebrandmarkt wurde. swissinfo.ch: Sie arbeiten seit 25 Jahren für die UNO im Bereich Menschenrechte. Wie kann die Organisation den...

  • "Hochhäuser sind umweltbelastender"

    Fri, 18 Sep 2020 11:40:00 GMT

    Kürzlich publizierten wir einen Artikel darüber, warum in der Schweiz kaum in die Höhe gebaut wird. Der Architekt Horst Eisterer beklagt hingegen einen regelrechten Hochhaus-Wildwuchs. Insbesondere in der Stadt Zürich gebe es eine irrationale Vorliebe, ja Besessenheit für Dichte und Hochhäuser. Zuerst: Wird tatsächlich wenig in die Höhe gebaut? Das hängt vom Ort und der Baupolitik der Kommunen ab. Kürzlich wurde von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern in Spreitenbach ein Hochhausprojekt abgelehnt. Und die Bevölkerung in Zürich-Schwamendingen erzwang, die vorgesehenen Hochhäuser aus dem Richtplan herauszunehmen. Hochhaus-Wildwuchs Wer aber in Zürich auf dem Käferberg steht, sieht die Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schiessen. Und dies nicht etwa an städtebaulich begründeten Stellen, sondern wie in einem Stoppelfeld, völlig willkürlich, wo gerade zufällig ein Investor ein grösseres Grundstück erwerben konnte. Dies steht völlig im Widerspruch zu den Hochhausrichtlinien...

  • Frauenförderung nach Schweizer Art

    Fri, 18 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Wie kann man dem sinkenden Frauenanteil im deutschen Bundestag entgegensteuern? Von der Schweizer Kampagne "Helvetia ruft" könne Berlin sich einiges abschauen, sagt Isabel Rohner, Schweizer Expertin zum Thema Frauenwahlrecht. Lange Jahre staunte Europa über das konservative Frauenbild in der Schweiz sowie das erst 1971 eingeführte Frauenstimmrecht. Bis das kleine Land in einem Punkt mit einem Riesenschritt am grossen Nachbarn Deutschland vorbei zog: Seit der Nationalratswahl 2019 besteht das Schweizer Parlament zu 42 Prozent aus Frauen. Das sind stattliche zehn Prozent mehr als zuvor. In Berlin war der Anteil an Parlamentarierinnen mit der letzten Bundestagswahl 2017 indes zum Entsetzen vieler von 37 Prozent auf 31 Prozent gesunken. Im weltweiten Vergleich rückte die Schweiz in diesem Punkt auf Platz 16 vor, während Deutschland auf Platz 48 abrutschte. Dieser Wert verdient jedoch aufgeschlüsselt zu werden: Während in den Fraktionen der Grünen und der Linken Frauen mit 54 und...

  • "Durchschnittschweizer" im Grenzgebiet warnt vor Freizügigkeit

    Thu, 17 Sep 2020 09:08:00 GMT

    Die Umfragen zu den Abstimmungen vom 27. September zeigen, dass die Initiative "für massvolle Einwanderung" von einer Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten abgelehnt wird. In der italienischen Schweiz ist die Ja-Front stärker als anderswo. Ein Unternehmer aus dem italienischsprachigen Teil Graubündens ist überzeugt von der Notwendigkeit, der Freizügigkeit Grenzen zu setzen. Brusio ist eine Gemeinde mit etwa 1100 Einwohnerinnen und Einwohnern im Kanton Graubünden, im Puschlav an der Grenze zu Italien. Man spricht Italienisch. "Grenzbewohner, unternehmungslustig und freundlich", steht auf der Website der Gemeinde zu lesen. Die Beziehungen zum benachbarten Veltlin haben jahrhundertealte Wurzeln und sind immer noch sehr intensiv. Die Bewohnerinnen und Bewohner der grenznahen Gebiete haben oft familiäre Bindungen. Grenzland Zu Spitzenzeiten überqueren fast tausend Angestellte aus Italien die Grenze, um in Brusio und im übrigen Valposchiavo zu arbeiten. Andere überqueren gar...

  • Georg Stucky – er war der "Vater des Auslandschweizer-Stimmrechts"

    Thu, 17 Sep 2020 13:00:00 GMT

    Wenigen verdankt die weltweite Auslandschweizer-Community mehr als ihm: Georg Stucky, Präsident der Auslandschweizer-Organisation von 1998 bis 2007. Ende August ist er kurz vor seinem 90. Geburtstag verstorben. Eine Würdigung. Ihm steht der Ehrentitel "Vater des Auslandschweizer-Stimmrechts" zu, denn dem Zuger Regierungs- und Nationalrat Georg Stucky ist es zu verdanken, dass Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer 1992 das briefliche Stimm- und Wahlrecht auf Bundesebene erhielten. Politische Mitsprache stand seit Jahrzehnten auf der Wunschliste der Interessenorganisation der Auslandschweizer. Doch immer wieder wurde das Anliegen auf die lange Bank geschoben. Das drohte erneut 1986, als der Bundesrat angesichts dissonanter Vernehmlassungsantworten drauf und dran war, das Vorhaben zu schubladisieren. Die Vertretung der Auslandschweizer begehrte dagegen auf. Aber es war der ehemalige Auslandschweizer Stucky, der quasi im Alleingang die Deblockierung per Motion erwirkte. 1992...

  • Was ist feministische Aussenpolitik?

    Thu, 17 Sep 2020 11:00:00 GMT

    Vor 20 Jahren forderte eine Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, dass Frauen in Konfliktprävention, Friedensprozesse und Sicherheitspolitik einzubeziehen sind. Die Resolution 1325 gilt als Pfeiler der feministischen Aussenpolitik und hat zwar schon einiges erreicht, aber Expertinnen und Experten kritisieren, dass die Einbindung von Frauen immer noch nur ein Nachsatz der Diplomatie ist. Als in Kolumbien Friedensverhandlungen geführt wurden, setzten Aktivistinnen mit Hilfe der Resolution 1325 Druck auf die Regierung und die Guerrillagruppe FARC auf, auch Frauen in die Gespräche miteinzubeziehen. Das 2016 geschlossene Friedensabkommen berücksichtigte schliesslich auch die Geschlechterperspektive. Zwar herrscht in Kolumbien Unzufriedenheit über die Umsetzung des Friedensabkommens, doch die Frauenbewegung setzt sich weiterhin für die Einhaltung des Abkommens ein, weil es einen Fokus auf die Verbesserung der Lebensumstände der Frauen legt. Laut einer Forschungsarbeit...

  • "Die indirekten Kosten werden ausgeblendet"

    Thu, 17 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Vaterschaftsurlaub bringe nichts und werde von links als Türöffner für mehr missbraucht: Yasmine Bourgeois, Mutter von drei Kindern, spricht sich klar dagegen aus. Ein Gespräch mit der Zürcher FDP-Politikerin. Als Mutter gegen den Vaterschaftsurlaub – und dann erst noch im Gegner-Komitee: Damit steht Yasmine Bourgeois ziemlich im Abseits in diesem Wahlkampf. Und wird teilweise dafür angefeindet: "Vor allem in den sozialen Medien kommen die Kommentare teilweise direkt aus der untersten Schublade." Im persönlichen Umfeld erfahre sie hingegen viel Zuspruch. Dafür sind die Diskussionen innerhalb der Partei etwas zurückgegangen. Denn man muss wissen: Der Vaterschaftsurlaub hat sich bei den bürgerlichen Schweizer Parteien als Spaltpilz erwiesen. Bestes Beispiel sind die Freisinnigen: Die Frauen innerhalb der Partei sprachen sich grösstenteils für den Vaterschaftsurlaub aus, letztlich beschloss aber die FDP – äusserst knapp – die Nein-Parole zur Gesetzesänderung, über die die Schweizer...

  • Pflegefachleute gehen weltweit auf die Barrikaden

    Wed, 16 Sep 2020 19:00:00 GMT

    Nach Monaten des Kampfs gegen das Coronavirus fordert das Pflegepersonal auf der ganzen Welt bessere Arbeitsbedingungen. Auch in der Schweiz sind Aktionen und Demonstrationen geplant. Derweil zögert das Parlament, die Situation des Pflegepersonals nachhaltig zu verbessern. Vereinigte Staaten, Neuseeland, Frankreich, Peru, Simbabwe: Überall streiken Pflegefachleute, um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Coronavirus-Pandemie brachte die Härte des täglichen Lebens der Beschäftigten im Gesundheitswesen ins Scheinwerferlicht. Unterbesetzung, schlechte Bezahlung, mangelnde Anerkennung: Die Extremsituation, in der sich das Pflegepersonal in den letzten Monaten befand, gibt den seit Jahrzehnten erhobenen Forderungen neuen Auftrieb. Auch in der Schweiz gewinnt die Bewegung an Dynamik: Verbände und Gewerkschaften schlossen sich zusammen, um eine Allianz der Berufe im Gesundheitssektor zu gründen. Für Ende September ist eine Protestwoche geplant, auf die am 31. Oktober eine Aktion...

  • 1688 Lobby-Mandate prägen die Entscheide des Parlaments

    Wed, 16 Sep 2020 11:00:00 GMT

    Seit Dezember müssen die Mitglieder des nationalen Parlaments offenlegen, für welche Mandate sie Geld erhalten. Doch die Transparenz stösst auf Widerstand. Ein deutliches Nein: Die grosse Kammer des Schweizer Parlaments (Nationalrat) hat zum Auftakt der Herbstsession die parlamentarische Initiative von Mathias Reynard (Sozialdemokratische Partei, SP) für mehr Transparenz mit 113 zu 67 Stimmen abgelehnt. Reynard wollte mit seinem Vorstoss "Für eine transparentere Offenlegung der Interessenbindungen von Parlamentsmitgliedern", der von der SP und den Grünen unterstützt wurde, die Parlamentarierinnen und Parlamentarier verpflichten, alle Gelder zu deklarieren, die sie im Zusammenhang mit ihren Interessenbindungen erhalten haben. Dies, um "die Demokratie vor Lobbys zu schützen" und um zu vermeiden, dass sich im Volk Misstrauen verbreitet. Um welche Interessenbindungen geht es? Interessenbindungen sind Aufgaben, die Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier neben ihrem...

  • Coronavirus: die Situation in der Schweiz

    Wed, 16 Sep 2020 13:41:00 GMT

    Ein halbes Jahr nach Ausrufung der Covid-19-Pandemie ist diese noch lange nicht überstanden. Die Situation in der Schweiz ist fragil. Das Land gilt gemäss eigener Definition nun als Risikogebiet. Neuste Entwicklungen Die Schweiz zählt derzeit gemäss eigener Definition selber zu den Coronavirus-Risikoländern, bei denen eine Quarantänepflicht bei der Einreise besteht. Das Kriterium dafür ist gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein Wert von 60 Neuansteckungen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner während 14 Tagen. Das BAG hat mehrere Länder als Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko definiert. Wer aus diesen Regionen in die Schweiz einreist, muss danach zehn Tage in Quarantäne. Hier die ständig aufdatierte Liste des BAG. Der Bundesrat will Nachbarländer nicht auf die Liste der Staaten mit erhöhtem Ansteckungsrisiko setzen, sondern lediglich Regionen. Grenzregionen will er prinzipiell von der Aufnahme auf die Liste ausnehmen – für Grenzgängerinnen und Grenzgänger eine wichtige...

  • Zweite Umfrage bestätigt Nein zur Begrenzungs-Initiative

    Wed, 16 Sep 2020 04:00:00 GMT

    Eine klare Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten will die Volksinitiative "Für eine massvolle Zuwanderung" ablehnen. Der Vaterschaftsurlaub und der Kauf neuer Kampfjets haben gute Chancen. Das zeigt die zweite SRG-SSR-Trendbefragung vor den Abstimmungen vom 27. September. Rund zehn Tage vor dem Urnengang in der Schweiz scheinen sich die Fronten bestätigt zu haben: Die Initiative für eine massvolle Zuwanderung, lanciert von der Schweizerischen Volkspartei (SVP, rechtskonservativ), scheint die Stimmbevölkerung nicht zu überzeugen. 63% der Befragten würden eher oder sicher ein Nein in die Urne legen, wie die zweite Trendbefragung durch das Institut gfs.bern zeigt. Seit der ersten Umfrage von Anfang August hätten sich die beiden Lager während des Abstimmungskampfs konsolidiert, und nur Wählerinnen und Wähler der SVP würden die Initiative unterstützen. Die Umfrage zeigt grosse Unterschiede zwischen den Sprachregionen: Die französischsprachige Westschweiz (Romandie) würde mit 71%...

  • Wölfe und Immigranten: Abstimmungen der Angst

    Wed, 16 Sep 2020 08:30:00 GMT

    Begründete Ängste sind eine Voraussetzung für das Überleben. Der Politikwissenschaftler Daniel Warner fragt sich am Beispiel der bevorstehenden Schweizer Abstimmungen über Wölfe und die Personenfreizügigkeit, wann eine Angst begründet ist. Ich wurde einmal gebeten, in einer Stadt in den Schweizer Alpen einen Vortrag zu halten zum Thema Sicherheit. Zunächst erzählte ich, wie viele Schlösser ich an meiner Wohnungstür hatte, als ich in New York lebte. Ich erzählte Geschichten darüber, wie furchteinflössend es für mich war, nachts mit der U-Bahn zu fahren. Für meine Geschichten erntete ich nur ratlose Blicke. Die meisten meiner Zuhörer schlossen weder ihre Häuser noch ihre Autos ab. Und U-Bahnen gibt es in der Schweiz auch nicht. Doch dann erwähnte ich ihre Angst vor Wölfen. Was würde ihre Lokalzeitung - La Nouvelliste - ohne das Titelbild eines gesichteten Wolfes oder den ausgeweideten Kadaver eines armen Schafes tun? Wie viele Stunden hat das Schweizer Fernsehen damit verbracht...

  • Koloniale Sichtweise eines Schweizer Multis

    Tue, 15 Sep 2020 13:00:00 GMT

    In der Schweiz haben etliche multinationale Unternehmen ihren Firmensitz. Viele wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet – mitten in der Kolonialzeit. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg dieser grossen Schweizer Firmen und der europäischen kolonialen Expansionsphase? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Zuerst eine persönliche Kindheitserinnerung, auf die ich vor einigen Wochen in der früheren Wohnung meiner Grossmutter stiess. Dort fand ich ein Spiel. Es wurde wahrscheinlich in den 1930er-Jahren hergestellt. Das faltbare, auf Karton gedruckte Fliegerspiel war von der Schweizer Firma Maggi. Diese ist für ihre Brühwürfel weltbekannt. Abgebildet ist eine Karte von Afrika und Teilen Asiens und Europas. Die Länder müssen auf einer Etappenreise durchquert werden. Der Protagonist des Spiels ist ein Pilot, der mit seinem Flugzeug in Kemptthal (Zürich), dem wichtigsten Produktionsstandort von Maggi, startet und auf drei Kontinenten eine Reihe von...

  • Geschichten im Kopf, Geschichte in den Adern

    Tue, 15 Sep 2020 11:00:00 GMT

    Ihr italienischer Grossvater rettete einst Titos Leben. So hatte es die junge Zora als Kind immer wieder gehört. Und doch setzt die Schweizer Autorin Zora del Buono nun dessen Frau, ihrer kämpferischen slowenischen Grossmutter, ein literarisches Denkmal. Zora del Buono hat sich als Autorin bereits einen Namen gemacht, mit poetischen Texten für das Mare-Magazin und ihre Büchern gleichermassen. Insbesondere ihre 2015 erschienene Novelle "Gotthard", die an einem einzigen Tag während des Baus des Gotthard-Basistunnels spielt, begeisterte deutsche und Schweizer Kritiker. In ihrem jüngsten Roman "Die Marschallin" geht sie nun ihrer hochpolitischen Familiengeschichte auf den Grund. Die Marschallin, das ist ihre slowenische Grossmutter Zora del Buono, nach der die Autorin benannt ist: Als junge Frau folgte die willensstarke junge Frau dem italienischen Radiologen Pietro del Buono vom slowenischen Bovec aus in dessen Heimat nach Bari. Dort bekommt sie drei Söhne und zieht dort fortan...

  • Zeitreise in Basel

    Tue, 1 Sep 2020 14:00:00 GMT

    Was hat die Nordwestschweizer Stadt Basel zu dem gemacht, was sie heute ist? Dieser Frage gehen Historikerinnen und Historiker im neuen Buch “Basler Geschichte in Kürze – Zeitsprünge” nach. Inspiriert wurde es von einer Ausstellung im Historischen Museum Basel. Seit der ersten Besiedlung zur Zeit der Kelten ist Basel zur drittgrössten Stadt der Schweiz herangewachsen. Sie wird manchmal als “Kulturhauptstadt” der Schweiz bezeichnet und ist bekannt für die zahlreichen Museen, ihre Kunstsammlungen und den jährlichen Fasnachtsumzug, der in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Die Basler Druckerpressen und die Gründung einer Universität im Mittelalter zogen damals berühmte Schriftsteller und Reformer an. Basel spielte als Handelsstadt am Rhein eine wichtige Rolle. Der Handel war zuerst durch die Textilindustrie geprägt, im Laufe der Jahrhunderte nahmen die Chemie- und Pharmaunternehmen überhand. Heute gehören diese zu den Weltmarktführern. Die Stadt...

  • Die Schweizerin, die in Jerusalem die Religionen eint

    Mon, 14 Sep 2020 18:00:00 GMT

    Jerusalem macht eine Schweizerin zur Ehrenbürgerin. Irène Pollak-Rein engagiert sich für die einzige Schule in der Stadt, in der jüdische und arabische Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Es war 1967, sie war 17 Jahre alt, als sie nach Basel fuhr. Jitzchak Rabin, der General der israelischen Armee, hatte gerade den Sechstagekrieg gewonnen. In Basel angekommen, starrte die junge Irène voller Bewunderung auf den Befehlshaber, der über dieses militärische Wunder referierte. "Ich verstand kein Hebräisch und kein Wort von dem, was Rabin sagte. Aber ich hing an seinen Lippen." Zwei Jahre später zog sie als Studentin nach Jerusalem. "Die Goldene Stadt", wie man sie nennt, wurde ihr Zuhause. Rabin wurde später Israels Premier und 1995 als solcher ermordet. Möchten Sie an den Themen dranbleiben, die in der Schweiz diskutiert werden? Mit der 📱-App 'SWI plus' erhalten Sie täglich ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Themen und Debatten aus der Schweiz. Hier geht es zum Download: 👉...

  • Wem hilft die Schweizer Entwicklungshilfe?

    Tue, 15 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Wenn Entwicklungshilfe zu viele Ziele auf einmal erfüllen soll, wird sie überfordert, schreibt Katharina Michaelowa, Professorin für Politische Ökonomie und Entwicklungspolitik an der Universität Zürich. Im Juni diskutierte der Nationalrat über die von Bundesrat Cassis vorgelegte Strategie zur internationalen Zusammenarbeit (IZA) für die Jahre 2021–2024, und im Herbst wird die Diskussion im Ständerat fortgesetzt. Katharina Michaelowa Katharina Michaelowa ist Professorin für Politische Ökonomie und Entwicklungspolitik an der Universität Zürich. In Forschung und Lehre beschäftigt sie sich mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und der internationalen Klimapolitik ebenso wie mit ökonomischen, sozialen und politischen Entwicklungen innerhalb des Globalen Südens. Verfolgt man diese Diskussion, so fragt man sich, wem eigentlich geholfen werden soll. Insbesondere SP und Grüne verweisen darauf, dass die internationale Solidarität gerade in Zeiten der Corona-Pandemie noch wichtiger...

  • Ökonomin Isabel Martinez im swissinfo-Gespräch

    Mon, 14 Sep 2020 14:30:00 GMT

    "Jede Politikmassnahme hat Gewinner und Verlierer", sagt Ökonomin Isabel Martinez, die über Gerechtigkeit und Ungleichheit in Wirtschaftssystemen forscht. Das Gesetz von Gewinnern und Verlierern gelte auch für die Geldpolitik, sagt Isabel Martinez. Sie fordert deshalb: "Die Notenbanken müssen transparent sein über die Auswirkungen ihrer Politik auf die Ungleichheit." Kritisch beurteilt Martinez auch die Nebenwirkungen der aktuellen Geldpolitik: "Der Börsenboom führt dazu, dass die Vermögenden noch vermögender werden." Das sei mittelfristig problematisch, weil eine hohe Ungleichheit zu politischen Spannungen führe, so Martinez. Geldcast-Episode 1: Fabio Canetg im Gespräch mit KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm. Geldcast-Episode 2: Fabio Canetg im Gespräch mit UBS-Chefökonom Daniel Kalt. Geldcast-Episode 3: Fabio Canetg im Gespräch mit Geldökonom Daniel Kaufmann. Geldcast-Episode 4: Fabio Canetg im Gespräch mit Wirtschaftsjournalistin Patrizia Laeri. Mehr davon?

  • Dank Quantenphysik das sicherste Mobiltelefon der Welt bauen

    Mon, 14 Sep 2020 13:00:00 GMT

    Je wichtiger das Mobiltelefon in unserem Leben wird, desto grösser ist die Gefahr von Cyber-Angriffen. ID Quantique, ein Unternehmen mit Sitz in Genf, hat das Problem mithilfe der Quantenmechanik gelöst. Das unknackbare Verschlüsselungssystem wurde von Samsung übernommen. Täglich gibt es in der Presse Berichte von gehackten Mobiltelefonen. Kürzlich haben Experten mehr als 400 Schwachstellen in den "Snapdragon"-Chips des amerikanischen Herstellers Qualcomm gefunden. Eine beängstigende Nachricht, denn derzeit sind mehr als eine Milliarde Android-Mobiltelefone mit diesen kleinen Teilen ausgestattet. Samsung behauptet nun, eine Lösung gefunden zu haben. Im Mai 2020 brachte der südkoreanische Gigant ein neues Smartphone mit 5G-Technologie auf den Markt, das absolute Geheimhaltung in der Kommunikation garantiert. Die Neuheit liegt in einer der Komponenten: Einem Chip. Dieser wurde von ID Quantique, einem kleinen Unternehmen mit Sitz in Genf, entwickelt. Der Chip verwendet per...

  • "Wir stolpern von einer Krise in die nächste"

    Mon, 14 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Der Genfer Marc Bauer gilt als einer der bedeutendsten Zeichnungskünstler unserer Zeit. Der Träger des GASAG-Kunstpreises und des Meret-Oppenheim-Preises zeigt seine Werke aktuell in Zürich und Berlin. In wandfüllenden Installationen verarbeitet er aktuelle Krisen. "Ich wollte eine Ausstellung über die Gegenwart machen", sagt Marc Bauer. Seine Einzelausstellung "The Blow-Up Regime", die zurzeit in der Berlinischen Galerie gezeigt wird, behandelt grosse, aktuelle Themen: Internet, Klimawandel, Migration, autoritäre Regime, Krisen. "Ich habe das Gefühl, wir stolpern von einer Krise in die nächste – politische, soziale und ökologische", sagt der 45-Jährige. "Wir haben die Migrationskrise schon vergessen, aber sie besteht weiterhin. Wir sind von all dem völlig überwältigt. Der Sonderfall ist scheinbar zur neuen Normalität geworden." Es dröhnt und knallt Obwohl die Ausstellung, die bis April 2021 läuft, vor der Coronavirus-Pandemie konzipiert wurde, strotzt sie vor apokalyptischer...

  • "Bald geht das Jammern erst richtig los"

    Sun, 13 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Die Familie von Olga Mira betreibt auf der griechischen Insel Paros ein Restaurant. Der Tourismus ist auch dort massiv eingebrochen. Richtig zu spüren bekommen haben das vor allem Destinationen wie die Kykladen, wo der Fremdenverkehr der weitaus wichtigste Wirtschaftszweig ist. Das nennt sich wohl ausgleichende Ungerechtigkeit: Während der grossen Finanz- und Wirtschaftskrise war es der Tourismus, der die griechischen Inseln vor deren schlimmsten Auswüchsen rettete. Nun ist es genau diese einseitige Abhängigkeit, die die touristischen Gebiete in den ökonomischen Abgrund zieht. Möchten Sie an den Themen dranbleiben, die in der Schweiz diskutiert werden? Mit der 📱-App 'SWI plus' erhalten Sie täglich ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Themen und Debatten aus der Schweiz: 👉 Android 👉 iPhone "Wir haben im Juli und August etwa 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz gemacht", schätzt Olga Mira. Die griechisch-schweizerische Doppelbürgerin verbringt im Sommer einige Monate auf der...

  • Warum Abstimmungen per Post selten einfach sind

    Sat, 12 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Um überfüllten Wahllokalen auszuweichen, greifen Wählerinnen und Wähler – und politische Kampagnen – während der Pandemie zunehmend auf Briefwahlen zurück. Aber die Fälle der Vereinigten Staaten, Polens und der Schweiz zeigen, dass die Einführung und Beibehaltung dieser Art der Stimmabgabe voller möglicher Fallstricke ist. Als wahlberechtigter norwegischer Staatsbürger benötigen Sie für die Teilnahme an einem Urnengang ein Blatt Papier, drei Umschläge und eine gültige Briefmarke. Auf dem weissen Papier notieren Sie Ihre Wahl (Name der Partei, des Kandidaten oder der Kandidatin, Ja oder Nein bei einer Volksabstimmung), kennzeichnen den ersten Umschlag als "Wahlumschlag", fügen auf dem zweiten Umschlag einige persönliche Angaben (Name, Geburtsdatum, Adresse) hinzu und richten den dritten schliesslich an die Wahlkommission Ihrer Heimatgemeinde. Verpacken Sie die Umschläge ineinander, kleben Sie die Briefmarke auf und bringen Sie sie zur Post – fertig. Die norwegische Art der...

  • Die Schweiz hat Probleme mit der Unabhängigkeit ihrer Bundesrichter

    Fri, 11 Sep 2020 11:06:00 GMT

    Lange Zeit Gegenstand wohlaustarierter politischer Kompromisse, sorgen Richterwahlen in der Schweiz neuerdings für Schlagzeilen. Dabei geht es um die Unabhängigkeit der Justiz - aber nicht nur. Es war eine Schlammschlacht: Im September 2018 verfolgten Millionen von Amerikanerinnen und Amerikanern die Liveübertragung der Hearings für das Oberste Gericht im zuständigen US-Senatsausschuss. Der nominierte Brett Kavanaugh wurde zu Vorwürfen befragt, als Hochschulstudent Kommilitoninnen sexuell missbraucht zu haben. Vor dem Kapitol in Washington demonstrierten Tausende für und gegen den Kandidaten von US-Präsident Donald Trump. Am Ende bestätigte der Senat den Yale-Absolventen mit einer hauchdünnen Mehrheit – und machte ihn zu einem von gerade einmal neun auf Lebenszeiten gewählten Obersten Richtern des Landes. Wie die amerikanische garantiert auch die schweizerische Bundesverfassung die richterliche Unabhängigkeit (BV Art. 191c). Deshalb sorgen auch in der Schweiz die in einer...

  • "Die Einwanderung ist in der Schweiz kein beliebtes Thema mehr"

    Fri, 11 Sep 2020 10:17:00 GMT

    Hoher Einsatz, langweiliger Wahlkampf: Am 27. September stimmt die Schweiz über die Volksintiative der SVP "Für eine massvolle Zuwanderung" ab, welche die Freizügigkeit mit der Europäischen Union abschaffen will. Das Lieblingsthema der grössten Partei des Landes ist den Bürgern und Bürgerinnen jedoch nicht mehr wichtig, stellt die Politologin Martina Mousson fest. Provozierende Kampagnen, verbale Schlagabtausche und gehässige Debatten: Als sich die Schweizerinnen und Schweizer vor sechs Jahren auf die Abstimmung über die Initiative "Gegen Masseneinwanderung" vorbereiteten, war die Spannung spürbar und das Thema allgegenwärtig. Das Anliegen der konservativen SVP, das die Zuwanderung mittels Kontingenten steuern wollte, wurde schliesslich von einer knappen Mehrheit des Volkes angenommen. Zwei Wochen vor der Abstimmung über eine weitere SVP-Initiative, die so genannte "Begrenzungsinitiative", ist nichts von alldem zu spüren. Die Partei versucht erneut, das Schreckgespenst der...

  • Ausweisung von Mafiosi scheitert am freien Personenverkehr

    Fri, 11 Sep 2020 08:05:00 GMT

    Arbeitete die Schweizer Bundespolizei nicht gründlich genug? Lag es an der Gesetzgebung? Fest steht: Die angeordnete Ausweisung zweier Mafiosi aus dem Tessin nach Italien scheiterte. Sie beriefen sich auf die Personenfreizügigkeit und konnten bleiben. In den letzten Jahren haben mehrere Mafiosi, die sich in der Schweiz niedergelassen oder hier Zuflucht gesucht haben, Probleme mit dem Bund bekommen. So auch drei 'Ndrangheta-Mitglieder, die 2016 im Wallis verhaftet und dann an Italien ausgeliefert wurden. Ein weiterer Mann, ein Grenzgänger, der in den Werkstätten der Schweizerischen Bundesbahnen in Bellinzona arbeitete, vor allem aber Leiter einer 'Ndrangheta-Zelle in der Provinz Como war, wurde für 18 Jahre aus der Schweiz verwiesen und in Italien wegen Zugehörigkeit zu einer mafiösen Vereinigung verurteilt. Im letzteren Fall war es das erste Mal, dass eine Ausweisung wegen drohender Gefahr für die Gesellschaft ausgesprochen wurde. Der erste Akt dieser Geschichte erfolgt im Juli...

  • Warum die Welt staunt, wenn die Schweiz über Kampfjets abstimmt

    Thu, 10 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Wenn die Schweiz am 27. September über den Kauf neuer Kampfjets abstimmt, schauen andere Staaten staunend zu. Denn in den meisten Ländern haben Bürger in Sachen Rüstungsausgaben und nationale Sicherheit nichts zu melden. Doch an Versuchen hat es nie gemangelt. "Wir hätten gerne mehr Mitspracherecht bei unseren Ausgaben für die nationale Sicherheit", sagt Lindsay Koshgarian. Sie arbeitet für die US-Nichtregierungsorganisation National Priorities Project (NPP), deren Ziel es ist, US-Bürgern mehr Einfluss auf den Bundeshaushalt zu geben. "Wir können uns nicht den Weg aus der Pandemie bombardieren", sagt Koshgarian und bezieht sich dabei auf die Entscheidung des US-Kongresses, 53 Prozent der Staatsausgaben fürs nächste Jahr (733 Milliarden Dollar) für das US-Militär bereitzustellen – statt damit wirksame Mittel und Massnahmen gegen Covid-19 aufzubauen. Journalisten auf der ganzen Welt sind fasziniert vom Mitspracherecht der Schweizer Bürger und Bürgerinnen bei Themen, welche die...

  • Forschung und Innovation – das Lebenselixier der Schweizer Wirtschaft

    Thu, 10 Sep 2020 08:20:00 GMT

    Innovation ist für den Wohlstand der Schweiz entscheidend. Dafür seien zwar in erster Linie die Unternehmen zuständig, sagt Luciana Vaccaro, Vizepräsidentin von Innosuisse, der Agentur des Bundes für Innovationsförderung. Aber auch dem Staat komme eine wichtige Rolle zu. Dies gelte gerade in Krisenzeiten. Die Schweiz ist nach wie vor eines der innovativsten Länder. Laut dem European Innovation Scoreboard (EIS), der jüngst erschienenen Europäischen Innovationsrangliste, führt unser Land das Ranking dank attraktiven Forschungs- und Bildungssystemen und privater Investitionen an. Es ist kein Zufall, dass hier die Schweiz seit Jahren an der Spitze steht. Dies ist einerseits auf das Schweizer Hochschulmodell zurückzuführen: Es vereint exzellente Universitäten – fünf davon gehören gemäss QS-Ranking 2020 zu den 125 besten der Welt – und Fachhochschulen mit direktem Bezug zur Berufswelt. Andererseits sorgen innovative Schweizer Unternehmen dafür, dass das an den Hochschulen gewonnene...

  • Fünf Schweizer Start-ups erobern die Welt

    Thu, 10 Sep 2020 14:00:00 GMT

    Die Coronakrise hat viele Start-ups geschwächt. Doch der Kreativität konnte die Krise nichts anhaben, wie der TOP 100 Swiss Startup Award 2020 zeigt. 2010 - 2020: Diese Zeit kann als goldenes Jahrzehnt für die Welt der Schweizer Start-ups bezeichnet werden. Waren in den frühen 2000er-Jahre junge, innovative Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial noch ein kleines Element der Volkswirtschaft, so haben sie heute eine ganz andere Dimension angenommen. Die Zahl der Unternehmensgründungen nimmt von Jahr zu Jahr stark zu. Gleichzeitig nehmen auch die Wertschöpfung und die geschaffenen Arbeitsplätze dieser Unternehmen zu, die hauptsächlich in den Bereichen Informationstechnologie, Biotechnologie, Medizintechnik, Fintech, Engineering, Drohnen und Cleantech tätig sind. Immer mehr junge Menschen wagen diesen riskanten Schritt – die Hälfte der Neugründungen verschwindet innerhalb von 5 Jahren wieder. Im Unterschied zu vor zwanzig Jahren bietet das Start-up-Ökosystem heute zahlreiche...

  • "Es braucht nun eine koordinierte europäische Aktion"

    Wed, 9 Sep 2020 14:41:45 GMT

    Ein Brand hat das Flüchtlingslager Moria weitgehend zerstört. Erneut werden Rufe laut, das Camp zu räumen und die Flüchtlinge in Europa zu verteilen – so auch in der Schweiz. Man konnte es schon im Dunkeln erahnen, das wahre Ausmass der Katastrophe wurde aber erst im Morgengrauen sichtbar: Das Camp Moria, das berüchtigte Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, ist praktisch komplett niedergebrannt. Die rund 12'600 Bewohner sind grösstenteils über Nacht obdachlos geworden. "Etwa 80 Prozent des Camps sind abgebrannt", schätzt Nicolas Perrenoud, der für die Schweizer NGO One Happy Family OHF auf Lesbos lebt und arbeitet. Erstaunt ist er nicht: "Die Katastrophe hat sich schon lange angekündigt." Die Spannungen haben in den letzten Monaten kontinuierlich zugenommen. Das heillos überbelegte Camp befindet sich seit März im Corona-bedingten Lockdown, der kontinuierlich geschärft wurde. "Seit letzte Woche die ersten Corona-Fälle aufgetreten sind, ist das Camp praktisch...

  • Europameister in Sachen Arbeitsmarkt? - Von wegen!

    Wed, 9 Sep 2020 12:03:00 GMT

    Die Arbeitslosenrate in der Schweiz steigt im August nur leicht an. Grund zum Jubeln ist das allerdings nicht, wie unter anderem der Blick ins nahe Ausland zeigt. Wer befürchtet hat, die Arbeitslosigkeit in der Schweiz werde wegen der Corona-Krise explodieren, sieht seine Sorgen bisher nicht bestätigt. Im August ist die Arbeitslosenrate nur leicht gestiegen – von 3,2 Prozent im Juli auf nun 3,3 Prozent. Im europäischen Vergleich schafft es die Schweiz damit auf das Podest der Länder mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit – allerdings nur auf den ersten Blick. Denn der Vergleich mit Europa ist nicht ganz so einfach. Die tiefste Arbeitslosenrate innerhalb der Europäischen Union (EU) hat gemäss dem europäischen Statistikamt Eurostat Tschechien. Im Juli lag die Arbeitslosigkeit dort bei nur 2,9 Prozent. Mit ihren 3,2 Prozent im Juli käme die Schweiz hinter Polen auf Platz drei. Käme, Konjunktiv. Denn der direkte Vergleich hinkt. In der Schweiz wird die Arbeitslosenrate nämlich anders...

  • Géraldine Pflieger: "Die Schweiz wird in ihrer Klimapolitik zunehmend glaubwürdiger"

    Wed, 9 Sep 2020 11:08:00 GMT

    Letzter Akt bei der Revision des CO2-Gesetzes: Das Parlament setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf ehrgeizigere Ziele als die Regierung. Die nun beschlossenen Massnahmen hätten die richtigen Ziele im Visier, sagt Géraldine Pflieger, Direktorin des Instituts für Umweltwissenschaften an der Universität Genf. Nach fast drei Jahren Debatte im Parlament werden die Grundzüge des neuen CO2-Gesetzes klarer. Die letzten verbliebenen Differenzen sollen am Donnerstag von der grossen Kammer des Parlaments (Nationalrat) ausgeräumt werden. Die Abgeordneten beschlossen am Montag, weiter zu gehen als die Regierung: So sollen mindestens 75% der Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Inland erfolgen, statt nur 60%, wie im ursprünglichen Entwurf vorgesehen. Verschiedene Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen wurden besiegelt, darunter die Einführung einer Abgabe auf Treibstoff und Flugtickets. Auch wenn die ersten Etappen der Revision schwierig gewesen sein mögen,...

  • "Die 'Masseneinwanderungs-Initiative' war für mich eine kalte Dusche"

    Wed, 9 Sep 2020 08:30:00 GMT

    Für die Deutsche Laura Clemens, die seit 2008 in Zürich wohnt und arbeitet, zeigt die "Begrenzungs-Initiative", über die am 27. September abgestimmt wird, das Unbehagen eines Teils der Schweizer Gesellschaft. Wir befinden uns im Kreis 5 von Zürich, einst das industrielle Epizentrum der Stadt, heute ein sehr begehrtes Wohngebiet. Laura Clemens trifft uns an der Neugasse 116, wo sich einer der Hauptsitze einer der grössten Erwachsenenbildungsinstitutionen befindet, die vor 50 Jahren in der italienischen Einwanderungsszene geboren wurde und im Laufe der Zeit zu einem Bezugspunkt für andere Migrantengemeinschaften in der Schweiz geworden ist: ECAP. Laura Clemens ist Lehrerin am Institut. Ihre Art zu sprechen und ihr Akzent brechen sofort mit dem Klischee, Deutsch sei eine harte Sprache ohne Musikalität: Wenn Clemens spricht, wird Goethes Sprache zur Melodie. Wir beschliessen jedoch, uns auf Italienisch zu verständigen. Ihr Italienisch ist perfekt, fehlerfrei und mit einem leichten...

  • Die Mühe der Südschweiz mit dem freien Personenverkehr

    Wed, 9 Sep 2020 08:12:00 GMT

    Die Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Norditalien haben im Kanton Tessin stark zugenommen. Heute besetzen sie fast jede dritte Arbeitsstelle. Das belastet den lokalen Arbeitsmarkt. Und prägt die Meinung der Einwohnerinnen und Einwohner über die Europäische Union. "Die Reparaturen werden jetzt von italienischen Sanitären durchgeführt. Das sagen mir die Mieter der Gebäude, in denen wir vorher gearbeitet haben. Ich selber habe vor diesen Gebäuden Lieferwagen mit ausländischen Kennzeichen gesehen." Das sagt Daniele Casalini, Inhaber einer Sanitärfirma mit zehn Angestellten in Pregassona bei Lugano. Täglich erlebt er die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf einen problematischen Grenzkanton wie das Tessin. Kleine Handwerker in Schwierigkeiten Der Kanton Tessin ist ein Dreieck mit 350'000 Einwohnerinnen und Einwohnern, eingekeilt in der italienischen Region Lombardei. Dort leben mehr als zehn Millionen Menschen. Ein guter Teil der 67'000 im Kanton tätigen Grenzgängerinnen und...

  • "Wozu 'Genève internationale', wenn wir immer nur Briefträger spielen?"

    Tue, 8 Sep 2020 15:16:34 GMT

    Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder hat als Mitglied der Aussenpolitischen Kommission eine Schweizer Delegation in den Iran begleitet. Er ist überzeugt: Die Rolle der Schweiz als Vermittlerin in der Region ist ausbaufähig. swissinfo.ch: Sie sind zurück aus dem Iran, wohin Sie den Schweizer Aussenminister begleitet haben. Was ist Ihre Bilanz? Thomas Minder: Die Situation ist angespannt, aber die Schweiz ist zum Vermitteln prädestiniert. Sie kann das. Vielleicht nicht direkt auf Ebene Staatsoberhaupt, aber mit der Nummer 2 oder 3, etwa einem Wirtschaftsminister. Man vergisst oft: Der Kontext ist noch grösser als nur der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der Iran unterhält auch keine Beziehungen zu Saudi-Arabien. Die beiden Länder führen im Jemen einen Stellvertreterkrieg. Auch hier haben wir Schutzmachtmandate. Der neutralen Schweiz traut man in diesem Konflikt zu, dass sie vermitteln kann. Ging es vorwärts in diesen Dossiers? Man redet miteinander, man signalisiert...

  • Coronakrise: Chance für nachhaltigen Tourismus

    Tue, 8 Sep 2020 10:25:00 GMT

    Die Schweizer Tourismusbranche steht vor grossen Herausforderungen. Das Reise- und Buchungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer hat sich wegen Covid-19 stark verändert. Aurelia Kogler, Professorin für Tourismus, sieht darin die Chance für nachhaltigeres Reisen. swissinfo.ch: Welche Veränderungen im Verhalten von Touristinnen und Touristen haben Sie festgestellt? Aurelia Kogler: Die Schweizerinnen und Schweizer machen jetzt Ferien in der Schweiz. Das ist etwas, worauf die Branche immer zielgerichtet hingearbeitet hat. Und jetzt sehen wir, dass Covid-19 und die damit einhergehenden Einschränkungen offenbar ein Nachfrageverhalten gebracht haben. Dank der Schweizer Touristinnen und Touristen konnte die Sommersaison in der Schweiz doch noch gerettet werden. Für den Tourismus in der Schweiz war die Sommersaison für alpine Destinationen viel besser als befürchtet. Doch gilt das für die Tourismus-Anbieter in den Städten überhaupt nicht. Zu leiden haben auch all jene Anbieter, die...

  • Warum die Schweizer Smartwatch nicht mit der Apple Watch vergleichbar ist

    Tue, 8 Sep 2020 09:00:00 GMT

    Fast fünf Jahre nach der Apple Watch bringt Tissot die erste Smartwatch mit dem Label "Swiss made" auf den Markt. Was sie kann und was nicht, erklärt Mario El-Khoury, dessen Forschungsinstitut CSEM wesentlich an der Entwicklung der Uhr beteiligt war. Die Lancierung des ersten Smartwatch-Modells der Swatch Group, dem weltweit grössten Uhrenkonzern, markiert einen wichtigen Meilenstein für den Industriestandort Schweiz. Seit der Markteinführung der Apple Watch 2015 wurden viele Stimmen laut, welche die abwartende Haltung und den fehlenden Innovationswillen der Schweizer Uhrmacher anprangerten, die nur zögerlich in diesen Markt investierten, der heute weitgehend von den nordamerikanischen und asiatischen Elektronik-Giganten dominiert wird. Gestern wurde die seit Jahren erwartete erste vernetzte Uhr mit dem Label "Swiss made" offiziell auf dem Schweizer Markt lanciert. In den nächsten Monaten wird sie schrittweise auf den internationalen Märkten eingeführt. Die zur Swatch Group...

Entdecken Sie die Schweiz

Sommer 5

 

Strategische Partner

 

Werbung

Gazzetta Svizzera