Menu
stage img
  • Editorial

Soll man das Denken verbieten?

14.08.2014 – Barbara Engel

Man war empört und gab der Empörung hörbar Ausdruck, Politiker genauso wie Journalisten. Der Grund: In Bern gibt es eine «geheime Denkgruppe», so berichtete die «SonntagsZeitung» Ende Juni, «die das politische System ändern» will. Hinter der Gruppe stehen nicht etwa Umstürzler am linken oder am rechten Rand, sondern die Bundeskanzlei. Diese Verwaltungsabteilung ist sozusagen das Zentrum des politischen Betriebs im Bundeshaus in Bern und befasst sich zwangsläufig tagtäglich mit dem Funktionieren unserer Demokratie. Reflektieren über das System solle die Bundeskanzlei trotzdem nicht, war die verbreitete Meinung. 

Warum eigentlich? Hört und liest man nicht allenthalben, das politische System der Schweiz funktioniere längst nicht mehr so «perfekt», wie es sollte und wie es lange der Fall war? An Stelle demokratisch notwendiger Kontrolle und Kritik greift das Gift des Misstrauens um sich. Die Politiker misstrauen sich gegenseitig, das Volk misstraut den Politikern und es misstraut den Institutionen, der Verwaltung und den Medien. Deutlich zeigt sich das in Abstimmungskämpfen, wo die Ängste der Bürger bewirtschaftet werden und wo nicht auf sachliche Argumente gesetzt wird, sondern auf Polemik und Stimmungsmache. An der Urne werden dann Zeichen gesetzt und Entscheide gefällt, die letztlich fatale Folgen haben können – zum Beispiel wenn sie im Widerspruch zu anderen Verfassungsnormen und internationalen Verträgen stehen.

Nachdenken über unser System, über die Ursachen der immer öfter zum Ausdruck gebrachten Ängste, der gefühlten und realen Bedrohungen, nachdenken auch über die Verantwortung des Volks als Souverän und letzte gesetzgeberische Instanz und über den Umgang mit Verlierern in politischen Auseinandersetzungen ist für die Schweiz eine Notwendigkeit, nicht ein Sakrileg.

Nun noch etwas zum Inhalt und zur Zukunft der «Schweizer Revue». Im Schwerpunkt dieses Heftes berichten wir von den Jenischen, von ihrer schwierigen Geschichte und vom heutigen Umgang mit dieser Minderheit in der Schweiz. Im Kulturteil geht es um eine grosse Kunstsammlung, die das Kunstmuseum Bern als Erbe erhalten soll. Darüber herrscht nicht eitel Freude, denn einmal mehr muss die Frage diskutiert werden, wie mit Kunst und Kulturgütern umzugehen sei, deren Herkunft nicht völlig geklärt ist.

Und schliesslich der Hinweis zur Zukunft: Die «Schweizer Revue» vom Oktober erscheint in einem neuen Layout. Moderner und leserfreundlicher wird sie sein. Aber, wir setzen weiterhin auf gehaltvolle Geschichten und bringen natürlich die wichtigen Informationen für Sie als Auslandschweizerin und Auslandschweizer. Auswirkungen wird das neue Konzept insbesondere auch auf die elektronischen Versionen für die App und im Internet haben. Hier gibt es viele technische Neuerungen, welche das Lesen der «Schweizer Revue» als E-Paper attraktiver und einfacher machen. 

top