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Markus Seiler

13.01.2017

Wie stellt man sich den Chef eines Geheimdienstes vor? Vermutlich hat er kalte, undurchdringliche Augen und eine starre Mimik. Noch wahrscheinlicher ist aber, dass man ihn gar nie erst zu sehen bekommt. Der gesichtslose mächtige Mann im Hintergrund bietet viel Raum für paranoide Fantasien und Verschwörungstheorien – auch in der Schweiz. Und so zeigt sich der Direktor des schweizerischen Nachrichtendienstes neuerdings öfter an der Öffentlichkeit.

Markus Seiler verteidigte vor der Abstimmung zum neuen Nachrichtendienstgesetz zuerst in der «Arena» die Vorlage, welche dem Dienst weitreichende Befugnisse einräumt – ruhig, aber bestimmt und vor allem mit Erfolg: Das Schweizer Volk sprach ihm sein Vertrauen aus und nahm das neue Gesetz an. Danach informierte der 48-jährige Thurgauer in den Medien erstaunlich ausführlich und offen über die Aufgaben und den Alltag seines Teams im Kampf gegen Terror und Rechtsextremismus.

Natürlich lassen diese ungewohnte Zugänglichkeit, die besonnene Art und der manchmal treuherzige Blick des trockenen, aber sympathischen Direktors nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch künftig niemand in der Bevölkerung genau wissen wird, was der NDB hinter den Kulissen tut. Das liegt in der Natur der Sache. Aber Markus Seiler, Staatswissenschaftler und vierfacher Familienvater, hat es geschafft, dem Nachrichtendienst im vergangenen Jahr ein Gesicht zu gegeben. Und wie es scheint, hat er damit einen kleinen Beitrag dazu geleistet, dass der NDB immerhin ein Spürchen näher ans Volk gerückt ist.

Marko Lehtinen

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