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  • Politik

Die Wahlen und des Volkes Sorgen

18.09.2019 – Marc Lettau

Die nahenden eidgenössischen Wahlen werden auch zu einem Werben um die Stimmen der Fünften Schweiz. Was die Umworbenen sehen sollten: Es sind eindeutig Inlandsthemen, die diesmal den Wahlkampf dominieren.

Vor Wahlen rücken die Sorgen und Hoffnungen der Wählerinnen und Wähler vermehrt in den Mittelpunkt der politischen Debatte. Die eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 sind da keine Ausnahme – und ein beliebter Gradmesser für die Befindlichkeit der Nation ist der «Sorgenbarometer» des Meinungsforschungsinstituts GFS Bern. Dessen neuste Ausgabe zeigt: Die stimm- und wahlberechtigten Schweizerinnen und Schweizer sehen die vordringlichsten Probleme im Inland.

Über Jahre war drohende Arbeitslosigkeit die grösste Sorge der Befragten. Sie ist nun vom Sorgenthema Altersvorsorge verdrängt worden: Die unklare finanzielle Zukunft der AHV und die Kontroverse um die Erhöhung des Rentenalters erachteten 45 % der Befragten als besorgniserregend (Vorjahr: 44 %). Die von 41 % genannte Hauptsorge Nr. 2: Das immer teurer werdende Schweizer Gesundheitswesen und die hohen Krankenkassenprämien, die das Familienbudget immer stärker belasten. Zum Vergleich: Im Vorjahr erwähnten nur 26 % das Gesundheitswesen als eine ihrer Hauptsorgen. Wichtig geblieben sind in der Sorgenwahrnehmung die Migrations- und die Flüchtlingsfrage. Insgesamt orten die Forscher eine «Verschiebung der Sorgenwahrnehmung hin zu innenpolitisch getriebenen Themen». In dieses Bild passt, dass nach dem Hitzesommer 2018 der Klimawandel und der Umweltschutz unter die fünf Hauptsorgen der Schweizerinnen und Schweizer aufgerückt sind.

Der Fokus aufs Innenpolitische bedeutet für die wählenden Auslandschweizerinnen und -schweizer, dass zwar intensiv um ihre Stimme geworben wird, ihre Anliegen aber nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Ablesbar ist das etwa am Thema E-Voting: Innenpolitisch ist E-Voting auf Eis gelegt. Gleichwohl geben in der grossen Parteienumfrage der «Revue» (siehe Folgeseiten) sechs von sieben Parteien an, sie stünden dem E-Voting – zumindest für Auslandschweizerinnen und -schweizer – positiv gegenüber. Das heisst: Das Wohlwollen ist da, aber das Thema ist innenpolitisch blockiert.

Gleichwohl sind Anstrengungen erkennbar, der Fünften Schweiz eine stärkere politische Stimme zu geben. In mehreren Kantonen portieren Parteien – insbesondere die SP und die SVP – im Ausland lebende Kandidatinnen und Kandidaten. Namen stehen immer auch für Themen: Mit der voraussichtlich hohen Zahl an Kandidierenden aus der Fünften Schweiz finden deren Anliegen leichter Eingang in den Diskurs der Parteien. Das zumindest ist aus Sicht der Fünften Schweiz die positive Entwicklung im Wahljahr 2019.

Kandidatinnen und Kandidaten aus der Fünften Schweiz finden Sie unter www.revue.ch

Wen wählen, wenn man niemanden kennt?

Selbst für viele, die nicht in der Ferne, sondern in der Schweiz leben, stellt sich die Frage: Wen soll ich wählen, wo ich doch keine Kandidierenden wirklich kenne? Ein Hilfsmittel, das Einblicke in die politische Haltung der Kandidatinnen und Kandidaten gibt, ist die Online-Plattform Smartvote. Dank den Antworten der Kandidierenden auf eine Vielzahl von politischen Fragen, entstehen vergleichbare Profile. Besonders reizvoll: Als Wählerin und Wähler können die gleichen Fragen ebenfalls beantwortet werden. Damit wird es möglich, die eigene politische Haltung mit der Haltung der Kandidierenden direkt zu vergleichen. Je deckungsgleicher das eigene Smartvote-Ergebnis mit dem eines Kandidaten oder einer Kandidatin ist, desto wahrscheinlicher liegt eine ähnliche politische Position vor. www.smartvote.ch

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