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Der befreite Jazz von Peter Schärli

28.09.2016 – Pirmin Bossart

Er ist seit über 35 Jahren unterwegs und hat in ganz Europa und an Festivals auf der halben Welt gespielt. Dabei ist seine Musik nur noch stilvoller und reifer geworden: Der Jazz des in Aarau wohnhaften Luzerner Trompeters Peter Schärli ist garantiert ein Jazz, der sehr vielen Menschen gefällt, die meinen, sie mögen gar keinen Jazz. Das neuste Album «Purge» legt Zeugnis davon ab.

Das Peter Schärli Trio featuring Glenn Ferris spielt darauf neun Tracks, in denen es leichtfüssig groovt, Melodien ihre Bögen ziehen und souverän über Themen improvisiert wird. Da ersteht eine Musik, die so locker vom Jazz-Hocker kommt, dass man die Komplexität vergisst, die den Tracks mit ihren eigenen Akkordfolgen und unüblichen Formen heimlich innewohnt.

Diese Musik ist das Resultat von Weglassen und Entschlacken. So kann das Essenzielle umso klarer hervortreten. Der Albumtitel «Purge», also Läuterung, Klärung, meint genau das. «Ich glaube nicht an das Besser-schneller-lauter-als-andere-Prinzip, weder in der Gesellschaft, noch in der Musik», gibt Schärli in einem Interview zu verstehen. Allerdings: «Ich übe täglich. Manchmal spiele ich 45 Minuten lang nur einen Ton».

Wie schon sein langjähriges Special Sextett, ist das Peter Schärli Trio featuring Glenn Ferris eine echte Working-Band. Mit dem erdig intonierenden Berner Bassisten Thomas Dürst und dem wunderbaren Posaunisten Glenn Ferris spielt er seit Jahrzehnten. Das jüngste Bandmitglied ist Hans Peter Pfammatter, der sich mit experimentierfreudig-elektronischen Projekten einen Namen gemacht hat und hier ideenreich und formbewusst klassisches Piano spielt.

Glenn Ferris, der Amerikaner in Paris, hat mit Jazz- und PopKoryphäen wie Frank Zappa, Archie Shepp, Don Ellis, Tim Buckley oder Stevie Wonder gespielt, bevor er nach Europa kam. Sein Swing ist so sentimental wie funky und hat Soul, seine Soli erfreuen Herz und Bauch. Mit dem klaren und präzisen Sound des Bandleaders ergibt das eine veritable Bläser-Section.

Peter Schärli ist letztes Jahr 60 geworden. «Purge» ist wie eine erste Bilanz seiner heutigen Qualitäten. Sie kommen übrigens auch in seinem anderen Trio mit dem brasilianischen Gitarristen Juarez Moreira und dem Basler Pianisten Hans Feigenwinter zum Ausdruck. Oder in seinem Balladen-Quartett «Don’t Change Your Hair For Me». Schärli ist ein sicherer Wert für schlichte Klasse.

 

Peter Schärli Trio featuring Glenn Ferris: «Purge», Enja, 2016.

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