Lukas Hammer, Spanien

Lukas Hammer, Spanien

 

Wie verbunden fühlen Sie sich der Schweiz?

Ich fühle mich immer noch sehr verbunden, insbesondere durch die Familie und die vielen Freunde, welche in der Schweiz wohnen. So verfolge ich das Geschehen in der Schweiz täglich über die elektronischen Medien. Selber verbringe ich meine Ferien seit der Auswanderung fast ausschliesslich in der Schweiz.

 

Wann waren Sie das letzte Mal wirklich stolz auf die Schweiz oder haben sich für die Schweiz geschämt?

Stolz bin ich im Moment während den olympischen Winterspielen jedes Mal, wenn wieder ein Schweizer Sportler eine Medaille gewinnt. Stolz war ich auch, als im vergangenen Jahr der Gotthardtunnel eröffnet wurde. Das heute Projekte für die nächste Generation gebaut werden, freut mich.

Geschämt habe ich mich zuletzt bei der Diskussion um den Vaterschaftsurlaub. Dass sich ein reiches Land wie die Schweiz diesen nicht leisten kann, ist ein Armutszeugnis. Zudem schäme ich mich, wenn Schweizer Politiker sich in ausländischen Medien abschätzig zur EU äussern. Nicht dabei sein aber trotzdem laufend kritisieren, dies ist kein konstruktiver Umgang mit der Materie. Ich wünschte mir gegenüber der EU etwas mehr Offenheit.

 

Wie wird die Schweiz im Ausland/in Ihrem Gastland wahrgenommen?

Hier in Südspanien haben sehr viele Familien einen Bezug zur Schweiz, da viele Spanier dort arbeiten. Die Schweiz wird als landschaftlich schön, aber als sehr teuer wahrgenommen. Verglichen mit dem Lebenshaltungskosten hier in Spanien ist dies sicherlich nachvollziehbar.

 

Was bringen der Schweiz die bilateralen Verträge und Abkommen? Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie in diesem Zusammenhang gemacht?

Ich mache mit den Verträgen sehr gute Erfahrungen. Nur dank dieser Verträge war es möglich, hier in Spanien zu investieren und sich selbständig zu machen. Dank der diversen Abkommen ist das Risiko abschätzbar und auch eine Rückkehr in die Schweiz einfacher möglich, auch wenn dieser Schritt nicht geplant ist.

 

Wie werden diese bilateralen Verträge und Abkommen in Ihrem Gastland gesehen?

Viele Spanier sind sich gar nicht bewusst, dass die Schweiz nicht in der EU ist. Aus diesem Grund sind die Verträge wenig bekannt.

 

Was bringt der Schweiz die Personenfreizügigkeit? Was könnte hier besser gelöst werden? Nehmen Sie persönlich diese Freiheit in Anspruch?

Ich nehme die Personenfreizïgigkeit in Anspruch, denn auf ihr basiert meine Niederlassungsbewilligung hier in Spanien. Zudem kann ich dank der Abkommen im Bereich der Altersvorsorge meine Zukunft planen, ohne grosse Risiken einzugehen. Die Umsetzung ist meiner Ansicht nach gut und funktioniert. In Spanien sieht man im Moment anhand der vielen, hier lebenden Briten, was für Unsicherheiten durch den Brexit entstehen. Ich hoffe, dass das Schweizer Volk so vernünftig ist, sich nicht ohne Not in eine solche Situation zu manövrieren.

 

Welche Vorteile bietet Ihrer Meinung nach eine Doppelbürgerschaft?

Meine Tochter ist Schweizerin, wächst aber hier in Spanien auf. Ob sie sich später als Spanierin oder als Schweizerin fühlt, kann ich noch nicht abschätzen. Ich fände es aber schön, wenn sie sich später nicht zwingend für oder gegen ein Land entscheiden muss, sondern allenfalls beide Staatsbürgerschaften haben darf. Ich sehe keinen Grund, der dagegen spricht.

 

 

 

Vom 10.-12. August 2018 findet in Visp der 96. Auslandschweizer-Kongress zum Thema «Die Schweiz ohne Europa – Europa ohne die Schweiz» statt. Aus diesem Anlass präsentiert die Auslandschweizer-Organisation Porträts von Auslandschweizern verbunden mit dem Kongressthema, um dabei mehr über ihre Eindrücke vom Leben als Schweizer im Ausland und ihre Sicht der internationalen Zusammenarbeit ihres Herkunfts- und Wohnlandes zu erfahren.

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